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Aberkennung der EU-Fahrerlaubnis bei Kokain im Blut

Verkehrsrecht Lesezeit: ca. 8 Minuten

Steht der Konsum sogenannter harter Drogen wie Kokain zur Überzeugung der Behörde fest, ist die Fahrerlaubnis ohne weitere Begutachtung zwingend zu entziehen beziehungsweise das Recht zur Nutzung einer ausländischen Fahrerlaubnis abzuerkennen.

Die verfahrensrechtliche Einjahresfrist, nach deren Ablauf die Behörde nicht mehr ohne erneute Prüfung von einer Nichteignung ausgehen darf, beginnt erst mit einem durch belastbare Anhaltspunkte - insbesondere geeignete Abstinenznachweise - gestützten Zeitpunkt, nicht mit einer bloßen Bestreitens- oder Abstinenzbehauptung.

Voraussetzungen der Aberkennung bei Konsum harter Drogen

Nach § 3 Abs. 1 Satz 2 StVG i.V.m. § 46 Abs. 5, § 11 Abs. 7 FeV ist einer Person, die im Besitz einer ausländischen Fahrerlaubnis ist, das Recht abzuerkennen, von dieser im Inland Gebrauch zu machen, wenn sich aus den Umständen ergibt, dass sie ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen ist. Bei Konsum sogenannter harter Drogen - hierzu zählt nach Nr. 9.1 der Anlage 4 zur FeV auch Kokain - ist die Nichteignung in der Regel ohne weitere Sachverhaltsaufklärung anzunehmen. Steht die Nichteignung zur Überzeugung der Behörde bereits fest, unterbleibt nach § 11 Abs. 7 FeV die Anordnung eines medizinisch-psychologischen Gutachtens; die Entziehung beziehungsweise Aberkennung ist dann eine gebundene Entscheidung, ein Ermessen besteht nicht. Persönliche oder berufliche Belange des Betroffenen, etwa eine berufliche Angewiesenheit auf die Fahrerlaubnis, sind hierbei rechtlich unerheblich (stRspr, vgl. VGH Bayern, 30.09.2025 - Az: 11 ZB 25.1383; VGH Bayern, 19.12.2024 - Az: 11 CS 24.1933; VGH Bayern, 14.06.2023 - Az: 11 CS 22.2675).

Welche Anforderungen gelten an die Beweiswürdigung zum Drogenkonsum?

Die Feststellung eines Betäubungsmittelkonsums unterliegt der freien Beweiswürdigung nach § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO. Diese Norm enthält keine generellen Maßstäbe für den Beweiswert einzelner Beweismittel; eine Rangordnung zwischen verschiedenen Beweismitteln besteht grundsätzlich nicht, vielmehr sind sie als gleichwertig zu behandeln. Das Tatsachengericht hat den Beweiswert sämtlicher Bestandteile des Prozessstoffes nach der inneren Überzeugungskraft der Gesamtheit der in Betracht kommenden Erwägungen zu bestimmen; gebunden ist es dabei lediglich an die Denkgesetze und Naturgesetze, wobei gedankliche Brüche und Widersprüche zu vermeiden sind (vgl. BVerwG, 03.05.2007 - Az: 2 C 30.05; BVerwG, 20.02.2012 - Az: 2 B 136.11). Daraus folgt, dass auch ohne Vorlage des ursprünglichen toxikologischen Gutachtens selbst auf der Grundlage mittelbarer, aktenkundiger Indizien - etwa eines rechtskräftigen Bußgeldbescheids, polizeilicher Vermerke zu drogentypischen Auffälligkeiten und eines positiven Drogenschnelltests sowie im Verfahren dokumentierter toxikologischer Werte - der Nachweis eines Betäubungsmittelkonsums geführt werden kann, sofern sich daraus in der Gesamtschau ein schlüssiges und widerspruchsfreies Bild ergibt.


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Hinweis: Urteile geben die Rechtslage zum Entscheidungsdatum wieder und ersetzen keine rechtliche Beratung im Einzelfall. Trotz sorgfältiger Bearbeitung bleibt eine Haftung ausgeschlossen.

Patrizia Klein (Rechtsanwältin, Fachanwältin für Familienrecht)Dr. jur. Jens-Peter Voß (Rechtsanwalt)Theresia Donath (Rechtsanwältin, Fachanwältin für Verkehrsrecht)

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