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Verheiratete Eltern im Wechselmodell und das Vertretungsrecht beim Kindesunterhalt

Familienrecht Lesezeit: ca. 10 Minuten

Verheiratete Eltern sind - anders als unverheiratete - von Gesetzes wegen von der Vertretung des Kindes im Unterhaltsrechtsstreit gegen den anderen Ehegatten ausgeschlossen, was eine Verfahrensstandschaft nach § 1629 Abs. 3 BGB voraussetzt.

§ 1606 Abs. 3 Satz 2 BGB befreit den hauptbetreuenden Elternteil im Regelfall vollständig von der Barunterhaltspflicht - auch bei erweitertem Umgang des anderen Elternteils. Stattdessen können bedarfsdeckende Mehraufwendungen des Umgangselternteils pauschal mit 10 % (ausnahmsweise bis 15 %) vom Unterhaltsbedarf abgezogen werden; daneben bleibt eine Herabstufung innerhalb der Einkommensgruppen der Düsseldorfer Tabelle möglich.

Vertretungsrecht verheirateter Eltern beim Kindesunterhalt

Gemäß §§ 1629 Abs. 2 Satz 1, 1824 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 3 BGB ist jeder Ehegatte kraft Gesetzes ausdrücklich von der Vertretung des gemeinsamen Kindes in einem Unterhaltsrechtsstreit gegen den anderen Ehegatten ausgeschlossen. Dieser gesetzliche Vertretungsausschluss gilt uneingeschränkt auch dann, wenn das Kind im paritätischen Wechselmodell betreut wird. Eine teleologische Reduktion dieser Normen oder eine analoge Anwendung des § 1629 Abs. 3 Satz 1 BGB, die diesen Ausschluss für das Wechselmodell beseitigen würde, ist unzulässig, weil keine verdeckte Regelungslücke besteht. Der Gesetzgeber hat die abstrakt-generelle Gefahr eines Interessenwiderstreits - bedingt durch die Kollision der elterlichen Fürsorgepflicht mit der ehelichen Loyalitätspflicht nach § 1353 Abs. 1 Satz 2 BGB - bewusst zum Anknüpfungspunkt des Vertretungsverbots gemacht, und zwar unabhängig vom konkreten Betreuungsmodell.

Bei nicht oder nicht mehr verheirateten Eltern hingegen fehlt es an einer vergleichbaren Pflichtenlage, weshalb im paritätischen Wechselmodell grundsätzlich jeder Elternteil den Unterhaltsanspruch des Kindes gegen den anderen als gesetzlicher Vertreter geltend machen kann, ohne dass hierfür die Bestellung eines Ergänzungspflegers oder die Übertragung der Alleinentscheidungsbefugnis erforderlich wäre (vgl. BGH, 10.04.2024 - Az: XII ZB 459/23; BGH, 24.03.2021 - Az: XII ZB 364/19).

Die Voraussetzung für die Geltendmachung von Kindesunterhalt im Wege der Verfahrensstandschaft nach § 1629 Abs. 3 Satz 1 BGB ist das Alleinvertretungsrecht des antragstellenden Elternteils, das sich bei Residenzmodell-Konstellationen aus der Obhutszuweisung nach § 1629 Abs. 2 Satz 2 BGB ergibt. Ein eindeutig feststellbares Übergewicht bei der tatsächlichen Fürsorge - das nicht zwingend groß sein muss - reicht dafür aus. Ein Kind befindet sich in der Obhut desjenigen Elternteils, bei dem der Schwerpunkt der tatsächlichen Fürsorge und Betreuung liegt und der die elementaren Lebensbedürfnisse des Kindes vorrangig befriedigt. Auf die zeitliche Betreuungskomponente kommt dabei besondere Bedeutung zu; ein Betreuungsanteil des anderen Elternteils von bis zu 45 % steht der Obhutszuweisung zum Hauptbetreuenden nicht entgegen (vgl. BGH, 12.03.2014 - Az: XII ZB 234/13).

Keine anteilige Barunterhaltspflicht des Hauptbetreuenden bei erweitertem Umgang

§ 1606 Abs. 3 Satz 2 BGB bestimmt, dass der betreuende Elternteil seine Unterhaltspflicht gegenüber dem minderjährigen Kind im Regelfall durch Pflege und Erziehung „erfüllt“. Das Gesetz spricht der Betreuungsleistung damit begrifflich eindeutig die Wirkung der vollständigen Erfüllung - im Sinne des § 362 BGB - des gegen diesen Elternteil gerichteten Unterhaltsanspruchs zu. Der hauptbetreuende Elternteil ist damit im Regelfall von jeder Barunterhaltspflicht gegenüber dem Kind befreit; der Barunterhaltsanspruch richtet sich allein gegen den anderen, nicht hauptsächlich betreuenden Elternteil.


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Alexandra Klimatos (Rechtsanwältin, Absolventin der Fachanwaltslehrgänge: Familienrecht, Bank- und Kapitalmarktrecht, Miet- und Wohnungseigentumsrecht)Dr. jur. Rochus Schmitz (Rechtsanwalt)Patrizia Klein (Rechtsanwältin, Fachanwältin für Familienrecht)

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