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Kindesunterhalt über dem Regelbetrag: Ohne Einkommensnachweis kein Anspruch auf 135 %

Familienrecht Lesezeit: ca. 6 Minuten

Ein gesetzlicher Mindestbedarf des Kindes in Höhe von 135 % des Regelbetrags existiert nicht. § 1612b Abs. 5 BGB regelt ausschließlich das Innenverhältnis der Ehegatten und begründet keinen entsprechenden Unterhaltsanspruch des Kindes. Wer über den Regelbetrag hinaus Unterhalt verlangt, trägt die volle Darlegungs- und Beweislast dafür, dass das Einkommen des Unterhaltspflichtigen eine Zahlungsverpflichtung in dieser Höhe rechtfertigt.

Kein gesetzlicher Mindestbedarf von 135 % des Regelbetrags

Ein Kind, das Unterhalt in Höhe des Regelbetrags nach der Regelbetrag-Verordnung geltend macht, ist von der Darlegungs- und Beweislast für seinen Bedarf sowie für die Leistungsfähigkeit des Unterhaltsverpflichteten befreit (vgl. BGH, 06.02.2002 - Az: XII ZR 20/00). Wird jedoch ein den Regelbetrag übersteigender Bedarf - konkret in Höhe von 135 % des Regelbetrags - geltend gemacht, ist dieser nach dem für die Unterhaltsberechnung maßgeblichen Einkommen des Unterhaltspflichtigen zu ermitteln. Ein gesetzlich festgelegter Mindestbedarf in Höhe von 135 % des Regelbetrags, der das Kind auch insoweit von der Darlegungs- und Beweislast freistellen könnte, ist nicht normiert.

Keine Grundlage für erhöhten Kindesunterhalt

Insbesondere lässt sich ein solcher Mindestbedarf nicht aus der seit dem 1.1.2001 geltenden Fassung des § 1612b Abs. 5 BGB herleiten. Diese Vorschrift, wonach Kindergeld bis zu einem Betrag von 135 % des Regelbetrags zur Aufstockung des Kindesunterhalts zu verwenden ist, betrifft ausschließlich das Verhältnis der Ehegatten zueinander und verfolgt das Ziel, den betreuenden Elternteil zu entlasten. Mit dem zivilrechtlichen Anspruch des Kindes gegen den barunterhaltspflichtigen Elternteil hat sie unmittelbar nichts zu tun. Es obliegt daher dem Unterhaltsgläubiger, ein Einkommen darzulegen, aufgrund dessen der Unterhaltsschuldner zur Zahlung von 135 % des Regelbetrags verpflichtet ist.

Regelbetrag als stets geschuldeter Mindestunterhalt

Unterhalt in Höhe des Regelbetrags wird als Bedarf stets geschuldet. In diesen Fällen kommt es allein auf die Leistungsfähigkeit des Unterhaltspflichtigen an, so dass auch fiktive Einkünfte uneingeschränkt herangezogen werden können.


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OLG Brandenburg, 19.12.2002 - Az: 10 UF 188/02

ECLI:DE:OLGBB:2002:1219.10UF188.02.0A


Hinweis: Urteile geben die Rechtsauffassung des Gerichts zum Entscheidungsdatum wieder und ersetzen keine rechtliche Beratung im Einzelfall. Für Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit wird keine Gewähr übernommen.

Patrizia Klein (Rechtsanwältin, Fachanwältin für Familienrecht)Dr. jur. Rochus Schmitz (Rechtsanwalt)Alexandra Klimatos (Rechtsanwältin, Absolventin der Fachanwaltslehrgänge: Familienrecht, Bank- und Kapitalmarktrecht, Miet- und Wohnungseigentumsrecht)

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