Rechtsfragen? Lösen Sie mit unseren Anwälten   Jetzt Anfrage stellen Bereits 409.872 Anfragen

Gewerkschaft darf keine E-Mails an Dienstaccounts von Arbeitnehmern schicken

Arbeitsrecht Lesezeit: ca. 4 Minuten

Die unverlangte Versendung gewerkschaftlicher E-Mails an dienstliche Accounts der gesamten Belegschaft stellt einen rechtswidrigen Eingriff in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb dar und begründet einen Unterlassungsanspruch. Das koalitionsrechtliche Informations- und Werberecht rechtfertigt keine Nutzung betrieblicher IT-Infrastruktur ohne entsprechende Zustimmung.

Die Zusendung unverlangter E-Mails an dienstliche Accounts von Arbeitnehmern kann einen Eingriff in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb im Sinne der §§ 823 Abs. 1, 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB analog darstellen. Maßgeblich ist, dass betriebliche Ressourcen in Anspruch genommen werden. Dazu gehören sowohl die technische Infrastruktur als auch die Arbeitszeit der Beschäftigten, da jede eingehende Nachricht zumindest eine kurze Prüfung erfordert, um deren dienstliche Relevanz zu beurteilen. Dies gilt insbesondere bei massenhaft versandten Mitteilungen, wie vorliegend an mehr als 3.000 Mitarbeiter.

Die Inanspruchnahme betrieblicher IT-Infrastruktur berührt zugleich das Eigentumsrecht des Arbeitgebers, da die Nutzung ausschließlich dienstlichen Zwecken vorbehalten ist. Die Verwendung der Arbeitszeit für betriebsfremde Inhalte tangiert zudem die Berufsausübungsfreiheit des Unternehmens. Der Eingriff erfolgt zielgerichtet durch Versendung werbender bzw. informierender Mitteilungen an die Belegschaft.

Eine Rechtfertigung über Art. 9 Abs. 3 GG kommt nicht in Betracht. Zwar umfasst die Koalitionsbetätigungsfreiheit auch die Information und Werbung von Beschäftigten. Diese Betätigungsfreiheit unterliegt jedoch Grenzen im Wege praktischer Konkordanz. Entscheidend ist, ob alternative Kommunikationswege bestehen, die eine Beeinträchtigung der Rechtsposition des Arbeitgebers vermeiden.

Der weitere Inhalt ist nur für registrierte Nutzer zugänglich. Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich für einen Zugang.

Zum Weiterlesen bitte oder 7 Tage kostenlos testen.

Noch kein Premium-Zugang?

Jetzt 7 Tage kostenlos testen

Hinweis: Diese Informationen ersetzen keine rechtliche Beratung im Einzelfall. Trotz sorgfältiger Bearbeitung bleibt eine Haftung ausgeschlossen.

Alexandra Klimatos (Rechtsanwältin, Absolventin der Fachanwaltslehrgänge: Familienrecht, Bank- und Kapitalmarktrecht, Miet- und Wohnungseigentumsrecht)Dr. jur. Rochus Schmitz (Rechtsanwalt)Martin Becker (Rechtsanwalt und Mediator, Fachanwalt für Arbeitsrecht)

Wir lösen Ihr Rechtsproblem!

AnwaltOnline – bekannt aus mdr Jump 

Das sagen Mandanten über unsere Rechtsberatung

Durchschnitt (4,85 von 5,00 - 1.266 Bewertungen)

Ich bin wieder sehr zufrieden, hatte in der Vergangenheit schon mal den Rechtsanwaltservice genutzt. Die Antwort kam wieder sehr schnell, ausführlich ...
Simon, Mecklenburg Vorpommern
Ich bin sehr zufrieden mit der äußerst kompetenten Beratung durch AnwaltOnline, in meinem Fall beriet mich Herr Dr. Voß in einer Mietsache.
Verifizierter Mandant