Insolvenz des Reiseveranstalters Thomas Cook - was Reisende beachten sollten

Reiserecht

Hinweis: Diese Seite wird entsprechend der aktuellen Entwicklung aktualisiert.

Letztes Update: 17.10.2019 // 07:00 Uhr

Thomas Cook UK Plc hat am Montag, dem 23.09.2019 den Betrieb aufgrund von Insolvenz eingestellt. Am 25.09.2019 hat auch die Thomas Cook GmbH Insolvenzantrag gestellt.

Wie Condor hat auch die deutsche Thomas Cook einen Überbrückungskredit beantragt. Dieser Antrag wurde jedoch „aus insolvenzrechtlichen Gründen“ zurückgezogen.

Zunächst wurden Insolvenzanträge für die Thomas Cook GmbH, die Thomas Cook Touristik GmbH und die Bucher Reisen & Öger Tours GmbH gestellt. Ob auch weitere Gesellschaften betroffen sind, wird in den nächsten Tagen geprüft und in Abstimmung mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter entschieden werden.

Die Kanzlei hww hermann wienberg wilhelm wurde zu vorläufigen Verwaltern bei Thomas Cook in Deutschland bestellt.

Der reguläre Geschäftsbetrieb ist eingestellt, jeglicher Verkauf von Reisen aus dem Portfolio der Thomas Cook-Veranstalter ist gestoppt. Dies betrifft die Marken Thomas Cook Signature, Thomas Cook Signature Finest Selection, Neckermann Reisen, Bucher Reisen, Öger Tours und Air Marin sowie Thomas Cook International.

Betroffene Kunden können sich für Informationen zum weiteren Vorgehen an den von der Zurich Insurance plc Niederlassung für Deutschland beauftragten Dienstleister KAERA AG, www.kaera-ag.de wenden.

Die Thomas Cook GmbH gibt an, dass Buchungen der untenstehenden weiteren Veranstalter nicht betroffen sind. Kunden der unten aufgeführten Veranstalter werden gebeten, sich bei Fragen, die ihre Reise betreffen, direkt an den jeweiligen Veranstalter zu wenden.
  • Dertouristik Gruppe (Dertour/Meiers/ITS/JAHN)
  • FTI-Gruppe (5vor Flug/BigXTRA/FTI)
  • Schauinsland Reisen
  • TUI-Gruppe
  • LMX Reisen
  • VTOURS
  • AMEROPA
  • Alltours (inkl Byebye)
  • ETI Reisen
  • L'TUR
  • TROPO
  • OLIMAR
  • HLX
  • TOUR VITAL
  • Centerparcs
  • Kiwitours
  • Aldiana
E-Mail Betrug - wichtige Information an Verbraucher aus aktuellem Anlass:

Derzeit gibt es eine böse Email-Betrugsmasche: Diese Email ist als offizielle Nachricht von Thomas Cook deklariert mit dem Betreff: ‚Wichtig: Erstattung Ihrer Thomas Cook-Reise.‘ Darin werden sensible Daten abgefragt, beispielsweise Pass- und Kreditkartendaten.
Thomas Cook hat zu keiner Zeit Emails dieser Art an Kunden verschickt. Bitte ignorieren Sie diese Mails und löschen diese.

Gäste im Zielgebiet


Gäste, die sich bereits im Zielgebiet befinden und deren Reise einen Sicherungsschein enthält, können ihren Urlaub regulär bis zum geplanten Ende fortführen. Hotelpartner sowie die Transferagenturen und Airline Partner haben eine Kostenübernahmeerklärung der Insolvenzversicherung (näheres siehe unten) erhalten.

Die Zurich Versicherung sichert im Rahmen der vertraglichen Verpflichtungen die Übernahme der Kosten für die Beherbergung der Reisenden im Urlaubsort. Entsprechendes gilt auch für die Rückreise.

Update 02.10.2019 // 18:26 Uhr

Zurich stellt Transfer zu den Flughäfen der Thomas Cook Deutschland-Gäste in diesen Regionen sicher:
  • Dominikanischen Republik
  • Balearen
  • Kanaren
  • Madeira 
  • Faro
  • Jerez de la Frontera
  • Malaga
  • Bulgarien
Die Zurich Versicherung hat nun DER Touristik beauftragt, den Transfer zu den Flughäfen in der Dominikanischen Republik zu organisieren. Die DER Touristik setzt hierfür ihre Zielgebietsagentur vor Ort ein. Alle Reisenden von Thomas Cook Deutschland, die sich aktuell in der Dominikanischen Republik befinden, werden Ihre Transferinformationen über die Zielgebietsagentur der DER Touristik erhalten. Die DER Touristik hat die Vorbereitung für eine schnelle Lösung gestartet. Zudem wird DER Touristik ab dem 28.09.19 auch die Transfers in Mallorca, Menorca und Ibiza organisieren. Auch der Transfer in den Kanaren wird ab dem 28.09.19 sichergestellt. Für Flughafentransfers auf Madeira und in Faro wird DER ab 30.09. eingesetzt. (Am 29.9. können hierfür an beiden Destinationen Taxikosten bis 50,- Euro eingereicht werden). Ab dem 01.10. übernimmt DER Touristik auch die Transporte zum Flughafen Jerez. Auch in Malaga übernimmt DER ab dem 02.10. den Flughafentransfer. 

Zusätzlich wird Zurich die Transporte in Bulgarien sicherstellen: In Burgas übernimmt bis zum 06.10. der bestehende Dienstleister den Flughafentransfer; ab dem 07.10. können Reisende dann Taxikosten bis zu 50,- Euro einreichen. In Varna gilt die Taxiregelung bereits ab sofort.

Gäste mit Reisedatum bis zum 31.12.2019

Alle abreisenden Gäste bis einschließlich Abreise 31.12.2019 können ihre Reise aus insolvenzrechtlichen Gründen nicht antreten.

Dies betrifft sowohl Pauschalreisen als auch gebuchte Einzelleistungen (Nur-Hotel Buchungen und Nur-Flug Buchungen).

Gäste mit Reisedatum ab dem 01.01.2020

Für Reisen mit Reiseantrittsdatum ab dem 01.11.2019 wird nun in Abstimmung mit der Insolvenzversicherung die weitere Vorgehensweise geprüft. Buchungen können derzeit leider nicht geändert oder storniert werden.
Was können Betroffene nun tun?

Je nach konkreter Situation gibt es unterschiedliche Handlungsoptionen:

Pauschalreise wurde noch nicht angetreten

Betroffene sollten beim Insolvenzverwalter bzw. beim Veranstalter in Erfahrung bringen, ob die Reise noch durchgeführt wird (vgl. hierzu auch die aktuellen Informationen oben).

Wird dies verneint, so ist die Versicherung anzuschreiben und die bereits geleistete Zahlung zurückzufordern.

Andernfalls gilt für den Fall, dass der Reisende den Reisepreis noch nicht oder nicht vollständig gezahlt hat:

Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens und der Bekanntgabe der Nichtdurchführung der Reise, hat der Insolvenzverwalter keinen Anspruch mehr auf den Reisepreis.

Reicht der Sicherungsschein?

Der Gesetzgeber sieht vor (§651r BGB), die Haftung für den Kundengeldabsicherer (Versicherer) auf maximal 110 Millionen Euro zu begrenzen, gleichzeitig hat Thomas Cook Deutschland die Reisen nur bei einem Versicherer mit bis 110 Millionen Euro abgesichert, was dazu führt, dass die Schadensumme nun den von Thomas Cook eingekauften Versicherungsschutz bei weitem übersteigt.

Da die von Thomas Cook eingekaufte Deckung nicht ausreicht, um den Schaden zu decken, sieht der Gesetzgeber vor, dass der Erstattungsbetrag quotiert wird. Die Quote kann derzeit noch nicht ermittelt werden, da der Großteil der Ansprüche noch nicht angemeldet wurden.

In dieser Hinsicht ist aber eine Staatshaftung denkbar, da die europäische Richtlinie zur Kundengeldabsicherung durch Deutschland mangelhaft umgesetzt wurde.

Datum des Sicherungsscheins prüfen!

Liegt das Datum des Reiseantritts nach dem durch den vom Sicherungsschein abgedeckten Zeitraum, kann der Reisevertrag im Insolvenzfall fristlos ohne Stornoentschädigung aus wichtigem Grund gekündigt werden, sofern u.U. bereits Anzahlungen geleistet wurden, kann die weitere Zahlung verweigert werden.

Pauschalreise wurde bereits angetreten

Kommt es nach Reiseantritt zur Insolvenz, so ist es möglich, dass Reisende am Hotel mit Forderungen des Hotels konfrontiert werden und ggf. auch der Rückflug zu bezahlen ist. Der Reisende soll also erst mal aus eigener Tasche vorstrecken.

Am 24.09.2014 hat die Zurich Insurance plc Niederlassung Deutschland eine befristete Kostenübernahmeerklärung für Reisende mit Anreisedatum bis zum 23.09.2019 für Leistungen, die bis zum 04.10.2019 24:00 erbracht werden, erteilt. Sofern kein früheres Abreisedatum möglich ist auch darüber hinaus. Damit sollte (eigentlich) keine Forderung vor Ort auf Reisende mit entspr. Anreisedatum mehr zukommen.

Die Thomas Cook GmbH gibt hierzu an: "Für Gäste, die sich aktuell im Urlaub befinden, sind die Hotelaufenthalte, die Transfers und die Rückflüge im Rahmen einer Pauschalreise gesichert."

Erforderlichenfalls können Betroffen die folgenden Garantieerklärungen vorlegen:

Hotel Guarantee (PDF)
Flight Guarantee (PDF)
Transport Guarantee (PDF)

Insbesondere wird Zurich, auf Basis der Buchungsinformationen und ohne Vorlage von gesonderten Rechnungen, im Rahmen der ausgesprochenen Kostenübernahmegarantien bereits jetzt 50 Prozent der ausstehenden Zahlungen für im Hotel derzeit anwesende Gäste an die Hotels anweisen. Dies gilt sofort und unter der Voraussetzung, dass Thomas Cook-Reisende von diesen Hotels ab sofort weder zur individuellen Zahlung von Hotelrechnungen aufgefordert oder anderweitig genötigt werden.

Entstehen dennoch solche zusätzlichen Kosten, so sind diese - soweit sie durch Zahlung des Reisepreises abgedeckt waren - ebenso wie die Kosten des Rückfluges gegen Vorlage entsprechender Belege von der Versicherung zu erstatten. Betroffene sollten sich daher jede Ausgabe akribisch quittieren lassen, versehen mit einer Bestätigung, dass diese Leistung durch den Veranstalter noch nicht bezahlt worden ist.

Es werden nur notwendige Kosten von der Versicherung getragen. Für den zusätzlichen Organisationsaufwand und die damit einhergehende vertane Urlaubszeit kriegt der Betroffene keine Entschädigung.

Bei schwerwiegenden Schwierigkeiten vor Ort kann notfalls auch die Deutsche Botschaft kontaktiert werden.

Flüge mit Condor


Der Flugbetrieb der Condor läuft wie geplant weiter, am 24.09.2019 erhielt Condor von der Bundesregierung und der hessischen Landesregierung die Zusage über eine Bürgschaft für einen sechsmonatigen Überbrückungskredit in Höhe von 380 Millionen Euro.

Einzelbuchungen

Für Einzelbuchungen gibt es leider keinen Insolvenzschutz.

Verbundene Reiseleistungen

Wurden nach dem 01.07.2018 verbundene Reiseleistungen über Thomas Cook gebucht, so sieht die Lage besser aus, denn in diesem Fall greift notfalls der Insolvenzschutz, wenn der Reisende mehrere einzelne Reiseleistungen über einen Vermittler gebucht und auch beim Vermittler bezahlt hat. Bei fehlendem Insolvenzschutz könnte das Reisebüro in die Haftung genommen werden.

Geld zurückholen?

Grundsätzlich ist es nicht unmöglich, sich als Betroffener das Geld (vorerst) zurückzuholen. In diesem Fall wird das Geld der Insolvenzmasse jedoch widerrechtlich entzogen. Der Betrag kann daher durch den Insolvenzverwalter zurückgefordert werden. Es ist anzunehmen, dass dies dann auch früher oder später passiert.

Bei Zahlung per Kreditkarte würde dies über eine Rückbuchung (Chargeback) denkbar sein. Bei Zahlung über einen Dienstleister wie PayPal könnte die Zahlung beim Dienstleister zurückgefordert werden ("Käuferschutz").

Ein solches Verhalten kann aus den vorgenannten Gründen aus juristischer Sicht nicht empfohlen werden.

Wurde über einen Vermittler (Reisebüro oder Internetportal) gebucht, kann dieser angewiesen werden, das Geld nicht (mehr) weiterzuleiten. Dies sollte nachweisbar erfolgen. Sofern das Geld noch nicht weitergeleitet wurde, besteht ein Rückzahlungsanspruch.

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