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Bezahlte Freistellung erfüllt Weiterbeschäftigungsanspruch nicht

Arbeitsrecht Lesezeit: ca. 3 Minuten

Wird ein Arbeitgeber im Kündigungsschutzprozess rechtskräftig zur Weiterbeschäftigung des Arbeitnehmers verurteilt, begründet dieses Urteil einen vollstreckbaren Anspruch auf tatsächliche Beschäftigung. Der Arbeitgeber kann sich dieser Verpflichtung nicht durch eine einseitige Freistellung des Arbeitnehmers unter gleichzeitiger Fortzahlung der Vergütung entziehen.

Leistungsverweigerungsrecht als Voraussetzung für eine wirksame Freistellung

Eine Freistellung als Reaktion auf den titulierten Beschäftigungsanspruch setzt voraus, dass dem Arbeitgeber ein entsprechendes Leistungsverweigerungsrecht zusteht. Dieses kann sich aus einer ausdrücklichen arbeitsvertraglichen Regelung oder aus besonderen Umständen ergeben, die einer Weiterbeschäftigung entgegenstehen. Fehlt es an beidem, ist die Freistellung zur Erfüllung des Weiterbeschäftigungsanspruchs ungeeignet.

Im vorliegenden Fall enthielt der maßgebliche Änderungsvertrag keine dahingehende ausdrückliche Regelung; eine entsprechende Bestimmung ließ sich auch nicht im Wege ergänzender Vertragsauslegung gemäß § 157 BGB gewinnen. Das Arbeitsverhältnis bestand aufgrund des vorläufig vollstreckbaren erstinstanzlichen Urteils fort, und besondere Umstände, die einer Weiterbeschäftigung entgegenstanden, wurden nicht dargelegt.

Einwand der Unmöglichkeit im Zwangsvollstreckungsverfahren

Auch im Rahmen einer Zwangsvollstreckung nach § 888 Abs. 1 Satz 1 ZPO ist zu beachten, dass dem Schuldner die Erfüllung einer unvertretbaren Handlung unmöglich (geworden) sein kann - und zwar selbst dann, wenn dieser Vortrag im Erkenntnisverfahren versäumt wurde (vgl. LAG Berlin, 23.09.2002 - Az: 6 Ta 1705/02). Ein solcher Einwand setzt jedoch substanziierten Vortrag voraus. Die bloße Umverteilung der Aufgaben des Arbeitnehmers auf andere Personen genügt hierfür nicht, solange nicht dargelegt wird, dass diese Aufgaben nicht rückübertragen werden können. Ebenso wenig reicht der Verweis auf neue Büroräume, wenn nicht konkret dargelegt wird, dass dort kein zusätzlicher Arbeitsplatz eingerichtet werden kann.

Zwangsgeld als Vollstreckungsmittel

Kommt der Arbeitgeber seiner titulierten Beschäftigungspflicht nicht nach und liegen weder ein vertragliches Leistungsverweigerungsrecht noch besondere der Beschäftigung entgegenstehende Umstände vor, ist die Festsetzung eines Zwangsgeldes nach § 888 Abs. 1 Satz 1 ZPO zur Durchsetzung des Weiterbeschäftigungsanspruchs rechtmäßig. Die bloße Freistellung unter Vergütungsfortzahlung steht der Vollstreckung nicht entgegen.


LAG Berlin, 13.10.2003 - Az: 6 Ta 1968/03

ECLI:DE:LAGBEBB:2003:1013.6TA1968.03.0A


Hinweis: Diese Informationen ersetzen keine rechtliche Beratung im Einzelfall. Trotz sorgfältiger Bearbeitung bleibt eine Haftung ausgeschlossen.

Martin Becker (Rechtsanwalt und Mediator, Fachanwalt für Arbeitsrecht)Alexandra Klimatos (Rechtsanwältin, Absolventin der Fachanwaltslehrgänge: Familienrecht, Bank- und Kapitalmarktrecht, Miet- und Wohnungseigentumsrecht)Dr. jur. Jens-Peter Voß (Rechtsanwalt)

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