Reisepreisminderung bei Lärm, kleinerem Ersatzzimmer, leerem Buffet und fehlendem Pool

Reiserecht

In südlichen Ländern muss ein gewisses Maß an Lärmbelästigung als ortsüblich hingenommen werden.

Diskothekenlärm bis 4 Uhr morgens in einer im Katalog mit „ruhige Lage“ beschriebenen Ferienanlage kann aber zur Minderung des Reisepreises um 20% berechtigen.

Wird eine vierköpfige Familie zudem anstatt im gebuchten 70 qm - Appartement mit zwei Schlafzimmern ersatzweise in einem 20 qm großen Hotelzimmer untergebracht, liegt die Minderung bei allenfalls 10%, wobei der Zuwachs an Komfort (u.a. Klimaanlage) und Service im Hotelzimmer berücksichtigt ist. Schließlich ist dem Mangel einer gemeinsamen Unterbringung in einem Vier-Bett-Zimmer bei einer vierköpfigen Familie mit Kleinkindern nicht dasselbe Gewicht beizumessen wie eine unvorhergesehene gemeinsame Unterbringung für zufällig in derselbe Reisegruppe reisende Teilnehmer.

Der Senat erachtete bei einer Gesamtbetrachtung der aufgeführten Unterbringungsmängel (Lärmbelästigung sowie kleineres Ersatzzimmer) einen Minderungssatz von insgesamt 15 % auf die Gesamtdauer der Reise als angemessen.

Steht das Angebot am Buffet nach dem „ersten Durchgang“ nicht mehr im vollen Umfang zur Verfügung und ist zudem der Service mangelhaft, insbesondere zu langsam, kann eine Minderung von 10% angesetzt werden.

Das Fehlen eines im Katalog angekündigten zweiten Swimmingpools in der Ferienanlage begründet eine Reisepreisminderung von 10%. Die Reisenden mit zwei Kleinkindern können auch nicht auf einen Swimmingpool in der Nachbaranlage verweisen werden, wenn dieser nur über eine Straße erreichbar ist. Denn gerade für eine Familie mit Kindern ist ein großzügiges Angebot an Bademöglichkeiten innerhalb der Ferienanlage ein erheblicher Gesichtspunkt bei Vertragsabschluss. Da im vorliegenden Fall immerhin ein Swimmingpool, wenngleich dieser auch zeitweise sehr frequentiert gewesen sein soll, zur Verfügung stand, erscheint eine Minderung von 10 % als sachgerecht. Hierbei ist zu sehen, dass der Reisende mit seiner Familie jedenfalls gelegentlich den etwas weiter entfernten Swimmingpool hätte nutzen können, wenngleich dieser auch keinen gleichwertigen Ersatz dargestellt hat.

Erst wenn der Gesamtwert der Reise um mindestens 50% gemindert ist, kommt ein Schadensersatzanspruch wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit in Betracht.

Insgesamt konnte vorliegend aber höchstens eine Minderung des Reisepreises in Höhe von 35 % verlangt werden.


OLG Köln, 24.01.2000 - Az: 16 U 42/99

ECLI:DE:OLGK:2000:0124.16U42.99.00

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