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Bestimmtheit von Zwangsvollstreckungstiteln bei Nachlassforderungen

Familienrecht Lesezeit: ca. 3 Minuten

Ein Zwangsvollstreckungstitel ist nur dann vollstreckungsfähig, wenn er inhaltlich hinreichend bestimmt ist und eindeutig erkennen lässt, an wen die titulierte Leistung zu erbringen ist. Maßgeblich ist insoweit in erster Linie der Urteilstenor, der aus sich heraus verständlich sein muss und Dritten ohne Rückgriff auf weitere Umstände klar macht, welche Forderung besteht und wer deren Inhaber ist.

Bei Nachlassforderungen, die ein Miterbe im Wege der gesetzlichen Prozessstandschaft nach § 2039 BGB geltend macht, ist zwischen der Berechtigung zur Klage und den Anforderungen an die Bestimmtheit des Titels zu unterscheiden. Zwar ist jeder Miterbe befugt, Nachlassforderungen für die Erbengemeinschaft einzuklagen, wobei er nur Leistung an alle Miterben gemeinschaftlich verlangen darf (§ 2039 Satz 1 BGB i.V.m. § 432 BGB). Der erstrittene Titel muss jedoch erkennen lassen, wer die Mitglieder der Erbengemeinschaft sind, damit der Schuldner durch Leistung an die richtigen Gläubiger frei wird.

Die bloße Bezeichnung „ungeteilte Erbengemeinschaft nach dem Verstorbenen“ genügt diesen Anforderungen nicht. Eine Erbengemeinschaft ist nicht rechtsfähig und damit nicht selbst Rechtsträger der titulierten Forderung. Gläubiger sind vielmehr die einzelnen Miterben als Gesamthandsgemeinschaft. Ohne namentliche Benennung aller Erben lässt sich aus dem Titel nicht eindeutig entnehmen, wem gegenüber die Leistung zu erbringen ist. Damit fehlt es an der erforderlichen Bestimmtheit im Sinne von § 704 ZPO.

Die Erteilung einer vollstreckbaren Ausfertigung zugunsten einzelner Miterben oder die Vorlage einer transmortalen Vollmacht kann diese Unbestimmtheit nicht heilen. Auch eine Pfändung oder Hinterlegung kommt nicht in Betracht, da es bereits an einem klaren, vollstreckungsfähigen Titel fehlt.

Ein Urteil, das lediglich die Erbengemeinschaft als solche bezeichnet, ist daher nicht geeignet, Grundlage einer Zwangsvollstreckung zu sein. Nur wenn sich aus dem Urteilstenor eindeutig alle Mitglieder der Erbengemeinschaft als Gläubiger zur gesamten Hand ergeben, liegt ein vollstreckbarer Titel vor.


LG Lübeck, 13.08.2025 - Az: 7 T 329/25

ECLI:DE:LGLUEBE:2025:0813.7T329.25.00


Hinweis: Urteile geben die Rechtsauffassung des Gerichts zum Entscheidungsdatum wieder und ersetzen keine rechtliche Beratung im Einzelfall. Für Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit wird keine Gewähr übernommen.

Patrizia Klein (Rechtsanwältin, Fachanwältin für Familienrecht)Alexandra Klimatos (Rechtsanwältin, Absolventin der Fachanwaltslehrgänge: Familienrecht, Bank- und Kapitalmarktrecht, Miet- und Wohnungseigentumsrecht)Dr. jur. Rochus Schmitz (Rechtsanwalt)

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