Unterhalt für volljährige Kinder

Familienrecht

Unterhalt und Volljährigkeit widersprechen sich in den Augen vieler. Doch das ist nicht zwangsläufig so - geht ein volljähriges Kind noch zur Schule, studiert es oder geht es einer Ausbildung nach, so sind die Eltern weiterhin zum Unterhalt verpflichtet. Dies gilt jedoch nur bis zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss.

Dieser Verpflichtung gehen viele Eltern unbewusst nach: Wohnt das Kind nämlich mit den Eltern in einem Haushalt und wird es dort versorgt, so erfüllen die Eltern hiermit Ihre Unterhaltsverpflichtung (Naturalunterhalt). Einfach ausziehen und Unterhalt beziehen ist also nicht möglich, wenn die Eltern dies nicht wünschen. Leben die Eltern getrennt, so kann sich derjenige barunterhaltspflichtige Elternteil, der das Kind in seinen Haushalt aufgenommen hat, seiner Barunterhaltspflicht dadurch entziehen, dass er von seinem Bestimmungsrecht entsprechend Gebrauch macht.

Mit Eintritt der Volljährigkeit sind beide Elternteile barunterhaltspflichtig (§ 1606 Abs. 3 Satz 1 BGB) und zwar unabhängig davon, ob das Kind im Haushalt eines Elternteils wohnt. Somit schulden beide Elternteile nur einen Teil des Gesamtunterhalts, der sich nach den individuellen Einkommens- und Vermögensverhältnissen des jeweiligen Elternteils bestimmt. Dieser Betrag wird meist anhand der Bedarfssätze der Düsseldorfer Tabelle ermittelt. Bei der Berechnung ist zu berücksichtigen, dass das Kindergeld bei der Bedarfsbemessung des Kindes zu berücksichtigen ist.

Da gegenüber Volljährigen eine geringere Verantwortlichkeit besteht, liegt der Selbstbehalt des Unterhaltsverpflichteten bei EUR 1.150 (incl. einer Warmmiete von EUR 450).

Die Unterhaltspflicht besteht unabhängig davon, ob die Elternteile zusammen oder getrennt leben. Auch Ehepaare in Scheidung müssen grundsätzlich gemeinsam für den Unterhalt aufkommen. Volljährige Kinder müssen jedoch ihren Anspruch auf Unterhalt selbst geltend machen.

Gegenüber dem Unterhaltsanspruch volljähriger Kinder sind minderjährige Kinder privilegiert, sofern es sich nicht um privilegierte Volljährige handelt. Dies bedeutet, dass auch eigenes angespartes Vermögen zur Deckung des Lebensbedarfs einzusetzen ist und dem Kind sittliches Fehlverhalten entgegengehalten werden kann. Volljährige Kinder sind gem. § 1603 Abs.2 S.2 BGB privilegiert, wenn Sie bis zu 21 Jahre alt sind, sich noch in einer allgemeinen Schulausbildung befinden, im Haushalt der Eltern oder eines Elternteils leben und unverheiratet sind.

Zu beachten ist weiterhin, dass bei titulierten Unterhaltsansprüche Änderungen die sich aufgrund der Volljährigkeit ergeben, durch eine Abänderungsklage geltend gemacht werden müssen.

Auszubildende

Lebt ein Auszubildender im Haushalt von mindestens einem Elternteil, so wird die Ausbildungsvergütung angerechnet. Von dieser Vergütung sind EUR 90 für ausbildungs- bzw. berufsbedingte Aufwendungen abzuziehen. Eigenes Einkommen des volljährigen Kindes wird i.d.R. nach Abzug etwaiger Aufwendungen in vollem Umfang auf den Bedarf abgerechnet.

Studenten

Solange die durchschnittliche Studiendauer nicht wesentlich überschritten ("Bummelstudium") wird, kann Unterhalt beansprucht werden. Ein Unterhaltsanspruch besteht i.d.R. jedoch nicht für eine Promotion.

Handelt es sich beim Studium um eine Zweitausbildung, so besteht kein Unterhaltsanspruch.

Verheiratete volljährige Kinder

Ist das Kind verheiratet, so ist der Ehegatte vorrangig unterhaltspflichtig.

Letzte Aktualisierung: 23.12.2018

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