Umgangsrecht für Großeltern?

Familienrecht

Ein Umgangsrecht der Großeltern mit den Enkelkindern ist seit der Kindschaftsrechtsreform gesetzlich in § 1685 I BGB verankert um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass auch der Kontakt zu den Großeltern für die Kinder wichtig ist (“Großeltern und Geschwister haben ein Recht auf Umgang mit dem Kind, wenn dieser dem Wohl des Kindes dient.”).

Verweigern die Eltern – oder ein Elternteil – also den Kontakt zum Enkelkind, so können  die Großeltern sich ein Umgangsrecht erklagen. Doch ein Umgangsrecht ist in der Praxis sehr schwer durchzusetzen; das Risiko im Prozess zu unterliegen hoch. Hauptproblem ist, dass die Großeltern nachweisen müssen, dass der Kontakt zum Enkelkind dem Kindeswohl dient. Hier sind die Interessen des Kindes, der Eltern und der umgangsberechtigten Großeltern abzuwägen.

Das Kind kann sein Umgangsrecht selbst nicht geltend machen. Da das Umgangsrecht der Großeltern gegenüber den Eltern oder dem einem Elternteil durchzusetzen ist, ist die gemeinschaftliche Vertretung des Kindes durch die Eltern ausgeschlossen (§§ 1629 Abs.2 S.1, 1795 Abs.2, 181 BGB). Eine alleinige Vertretung der Kindesinteressen durch den jeweils willigen Elternteil kommt in Betracht, wenn ihm die Befugnis zur Alleinentscheidung über die Geltendmachung des Umgangsrechts in dem dafür vorgesehenen Verfahren (§ 1628 BGB) zugewiesen oder er durch gerichtliche Entscheidung allein sorgeberechtigt wurde (§ 1671 BGB). In allen anderen Fällen kann für das Kind ein Ergänzungspfleger (§ 1909 BGB) oder ein Verfahrensbeistand (§ 158 FamFG) bestellt werden.

Eine vorherige enge Bindung zwischen Großeltern und Enkelkind erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher Nachweis geling. Dies betrifft z.B. regelmäßige Betreuung des Kindes, unmittelbare Nachbarschaft, u.a.. In solchen Fällen genügen Spannungen zwischen Eltern und Großeltern nicht aus, um eine Unterbindung des Umgangs mit dem Enkelkind zu rechtfertigen, da das Kind Bindungen zu den Großeltern besitzt, deren Aufrechterhaltung für seine Entwicklung förderlich sind. Es gilt somit die Vermutung besteht, dass der weitere Umgang dem Kindeswohl dient (so OLG Hamm, 23.2.2011 - Az: 8 WF 27/11; OLG Köln, 2.4.2008 - Az: 14 UF 241/07; OLG Hamm, 24.9.2002 - Az: 1 UF 72/02). Anders sieht es bei einem tiefgreifenden Verwürfnis aus (so OLG Hamm, 25.4.2003 - Az: 5 UF 117/03).

Ist das Verhältnis jedoch weniger intensiv oder zwischenzeitlich weniger intensiv geworden, haben es die Großeltern schwer. Aus diesem Grund ist es ratsam, für den Fall dass den Großeltern der Umgang untersagt wird, schnell zu agieren - ehe das Verhältnis zum Enkelkind zu lange auf Eis liegt. Andernfalls geht die Bindung zum Kind zwischenzeitlich verloren und der Umgang dient nicht mehr im gleichen Umfang des Kindeswohl wie es vorher der Fall gewesen wäre.

Hinsichtlich der Versagung des Umgangsrecht sind einige Fälle denkbar:

Wenn das Kind den Umgang ablehnt, der Wille des Kindes beachtlich ist und der Widerstand auch nicht mit erzieherischen Mitteln durch den betreuenden Elternteil überwunden werden kann, so scheidet ein Umgangsrecht aus.

K.O.-Kriterium gegen ein Umgangsrecht der Großeltern ist in der Regel ein (möglicher) Loyalitätskonflikt bei den Kindern (so OLG Hamm, 25.5.2005 - Az: 11 UF 165/04). In solchen Fällen wird fast immer von den Gerichten gegen den Umgang entschieden um das Kind zu schützen. Können die Parteien im Beisein der Kinder nicht normal miteinander umgehen, so dass der Kontakt in einer spannungsgeladenen Atmosphäre stattfindet, so ist dies der Entwicklung der Kinder nämlich nicht förderlich (so OLG Naumburg 21.4.2005 - Az: 14 UF 219/04).

Der Wille der Großeltern, Einfluss auf die Erziehung zu nehmen - dies ist Sache der Eltern, so dass in der Regel der Umgang abgelehnt wird (OLG Hamm, 24.9.2002 - Az: 1 UF 72/02).

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