Unterschied zwischen Sachverständigengutachten und ärztlichen Zeugnis

Betreuungsrecht

Gutachten

Das Gutachten ist die im Regelfall schriftliche, alle wichtigen Gesichtspunkte darstellende Erörterung einer oder mehrerer konkreter Sachfragen durch einen Sachverständigen. Im medizinisch/psychologischen Bereich gehört dazu die Fallgeschichte (Anamnese), die Darstellung der gegenwärtigen Situation des Probanden mit fachlicher Diagnose und daraus folgend die eingehend zu begründende Antwort auf die dem Gutachter gestellten Fragen.

Das Gutachten erstreckt sich nach § 280 FamFG auch auf die erforderlichen Aufgabenkreise und/oder den Umfang des Einwilligungsvorbehalts sowie die voraussichtlich Dauer dieser Maßnahmen.

Es enthält Aussagen dazu, ob der Betroffene aufgrund seiner psychischen Erkrankung seinen Willen frei bestimmen kann und legt Art und Ausmaß der Behinderung des Betroffenen im Einzelnen anhand der Vorgeschichte, der durchgeführten Untersuchungen und sonstiger Erkenntnisse dar.

Weiterhin sind Vorschläge zur Besserung oder Milderung der Hilfsbedürftigkeit des Betroffenen im Gutachten aufzunehmen.

Nach § 280 FamFG hat sich das Gutachten auf folgende Bereiche zu erstrecken:

1. das Krankheitsbild einschließlich der Krankheitsentwicklung,
2. die durchgeführten Untersuchungen und die diesen zugrunde gelegten Forschungserkenntnisse,
3. den körperlichen und psychiatrischen Zustand des Betroffenen,
4. den Umfang des Aufgabenkreises und
5. die voraussichtliche Dauer der Maßnahme.

Bei einer Sterilisation (§ 1905 BGB) müssen medizinische, psychologische, soziale, sonder- und sexualpädagogische Gesichtspunkte einbezogen werden (§ 297 FamFG).

In anderen Fällen deckt der Sozialbericht der Betreuungsbehörde soziale Gesichtspunkte ab (gem. § 8 BtBG i.V.m. § 279 FamFG)

Ärztliches Zeugnis

Das im Regelfall ebenfalls schriftlich verfasste ärztliche Zeugnis enthält die kurze Antwort des Arztes auf eine den Patienten betreffende medizinische Frage; eine Anamnese und die eingehende Begründung der Antwort sind nicht erforderlich. Der Inhalt ist gesetzlich nicht normiert.

Eine vorherige Untersuchung durch den Arzt ist aber genau wie beim Gutachten erforderlich, wenn diese auch nicht im förmlichen Beweisverfahren (gem. §§ 402 ff. ZPO) erfolgen muss.

An die Qualifikation des Arztes sind keine Anforderungen gestellt, er kann nicht durch das Gericht beauftragt werden. Das Gericht hat auch keine Vorführungsmöglichkeit.

Anhörung eines Sachverständigen

Zwischen dem Gutachten und dem bloßen ärztlichen Zeugnis steht die - mündliche oder schriftliche - Anhörung eines Sachverständigen. Sie erfordert kein ausformuliertes Gutachten und ist daher vom Gesetz in den Fällen vorgesehen, in denen wegen der Bedeutung der Sache zwar ein Sachverständiger eingeschaltet werden soll, ein ausführliches Gutachten aber z.B. wegen Eilbedürftigkeit der Sache oder Vorläufigkeit der Entscheidung nicht möglich oder erforderlich ist.

Letzte Aktualisierung: 01.10.2019

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