Ausbildungspakt schafft positive Trendwende am Ausbildungsmarkt

Arbeitsrecht

Die Statistik der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge bestätigt eindrucksvoll den Erfolg des Ausbildungspaktes im Jahr 2004. Nach Angaben aller Kammern wurden bis zum 30. September 2004 in Deutschland knapp 573.000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das sind rund 15.500 oder knapp 3 Prozent mehr als 2003. Damit gibt es erstmals seit 1999 wieder einen Zuwachs bei den abgeschlossenen Verträgen.

In den alten Ländern wurden insgesamt knapp 449.000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen, das waren rund 14.100 oder 3,2 Prozent mehr als im Jahr davor. In den neuen Ländern waren es gut 124.100 und damit ein Plus von 1.200 oder 1 Prozent. Besonders erfreulich ist dabei, dass die Zahl der betrieblichen Verträge deutlich anstieg: Nach Berechnungen des Bundesinstituts für Berufsbildung wurden bundesweit rund 519.800 betriebliche Ausbildungsverträge abgeschlossen, einschließlich der öffentlichen Verwaltung (Ende September 2003 rund 497.300). Das bedeutet eine Steigerung um gut 22.500 betriebliche Verträge (+4,5 Prozent). Eine ergänzende ausführliche Darstellung enthält die beigefügte Anlage).

Der zwischen Bundesregierung und Spitzenverbänden der Deutschen Wirtschaft geschlossene nationale Ausbildungspakt hat damit eine positive Trendwende am Ausbildungsmarkt bewirkt. Die großen Anstrengungen von Betrieben, Kammern, Verbänden und den Agenturen für Arbeit in den Regionen haben dieses Ergebnis möglich gemacht und damit den Jugendlichen neue Zukunftschancen und den Betrieben neue Qualifikationsperspektiven eröffnet. Dabei wurde der nationale Pakt von Ausbildungspakten und -aktivitäten in den Ländern (eigene Programme, Bündnisse, runde Tische etc.) flankiert und mit Leben erfüllt. Für ihr Engagement gebührt allen Akteuren vor Ort besonderer Dank. Zu dem guten Ergebnis trugen auch die Leistungen des Bundes (weit mehr als 20%-Steigerung der Ausbildungsplätze in der Bundesverwaltung, 14.000 Plätze im Bund-Länder-Ausbildungsprogramm Ost, Erhöhung der Finanzmittel für das Strukturprogramm STARegio um 50 Prozent) und dessen Ausbildungsoffensive 2004 bei.

 Zweites Hauptziel des Ausbildungspaktes war die erfolgreiche Nachvermittlung der am 30.9.2004 noch nicht vermittelten Bewerberinnen und Bewerber durch gemeinsame Vermittlungsaktivitäten von Arbeitsagenturen und Kammern auf der Basis von zusätzlich durchgeführten Kompetenzchecks. Trotz der im Vergleich zum Vorjahr um rund 20.000 gestiegenen Zahl an Ausbildungssuchenden ist dies deutlich besser als im Vorjahr gelungen:

- Die Zahl der bei den Agenturen für Arbeit am 30. September 2004 noch nicht vermittelten Bewerberinnen und Bewerber von rd. 44.600 konnte bis Ende Dezember 2004 um 29.600 auf rd. 14.950 gesenkt werden. Das ist ein Rückgang um 66,5 Prozent gegenüber 53,5 Prozent im Vorjahr. Der Bestand an unvermittelten Bewerbern lag damit am Jahresende trotz höherer Ausgangsbasis niedriger als im Vorjahr. - Gleichzeitig nahm die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze von rd. 13.400 um 9.200 auf rd. 4.200 ab. Gegenüber Ende September konnte so die rechnerische Lehrstellenlücke von rd. 31.200 um 20.450 auf 10.750 reduziert werden. Auch dies ist ein deutlich stärkerer Abbau (- 65,5 Prozent) als im selben Zeitraum des Vorjahres (- 53,5 Prozent) und zugleich die umfangreichste Verringerung seit fünf Jahren.

Neben den bereits dargestellten Anstrengungen von Wirtschaft, Bund und Ländern zur Erhöhung des Ausbildungsstellenangebotes haben vor allem die von der Wirtschaft bereitgestellten neuen 31.500 Angebote zur Einstiegsqualifizierung sowie die von der Bundesagentur für Arbeit geförderten 31.000 außerbetrieblichen Ausbildungsplätze und die Erhöhung der Plätze in Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen um 3 Prozent (auf 116.400) zu dem guten Ergebnis beigetragen.

Das erfreuliche Ergebnis geht auch auf eine neue Qualität des Zusammenwirkens der Paktpartner und der Agenturen für Arbeit insbesondere in der Nachvermittlungsphase zurück. Durch intensive und innovative Aktionen konnten die Potenziale der noch verfügbaren Angebote und der ausbildungsinteressierten Jugendlichen weitgehend zusammengeführt werden. Vor dem Hintergrund der konjunkturell weiterhin schwierigen Arbeitsmarktsituation ist dies besonders hervorzuheben.

Der Verlauf der Nachvermittlungsaktion zeigt, dass auch nach dem 30. September auf dem Ausbildungsmarkt noch viel Bewegung ist. Von den rd. 43.000 angeschriebenen Jugendlichen nahmen rd. 62 Prozent (26.500) die Einladung zur Nachvermittlung an. Die übrigen hatten sich für eine Alternative (Schule, Bundeswehr, Studium o.ä.) entschieden oder zeigten kein Interesse (Rd. 12 Prozent). Bei Jugendlichen, die - auch nach nochmaliger Erinnerung - nicht auf die Einladung reagierten bzw. keine nachvollziehbaren Gründe für das Fernbleiben angaben, ist davon auszugehen, dass kein Interesse mehr an einem Ausbildungsangebot besteht. Sie wurden von den Agenturen mit dem Erledigungsvermerk "unbekannt verblieben" erfasst und damit nicht mehr als Bewerber im Rahmen des Ausbildungspaktes gezählt.

95 Prozent der zur Nachvermittlung erschienenen Jugendlichen konnte lt. Statistik der Bundesagentur für Arbeit ein Angebot auf Ausbildung oder anderweitige Qualifizierung unterbreitet werden. Ende Dezember standen den rund 15.000 unvermittelten Bewerberinnen und Bewerbern noch rund 4.200 unbesetzte Ausbildungsplätze sowie rund 24.000 unbesetzte EQJ-Plätze gegenüber. Insgesamt 18.000 Bewerberinnen und Bewerber durchliefen auf Empfehlung von Arbeitsagentur und Kammer zuvor noch einen Kompetenzcheck. Auf der Basis dieser Ergebnisse sowie bereits bei den Arbeitsagenturen vorliegender Bewerberdaten und Eignungsbeurteilungen wurden die weiteren Vermittlungsbemühungen eingeleitet.

Für die Nachvermittlungen haben die Unternehmen insgesamt rd. 31.500 Plätze für betriebliche Einstiegsqualifizierungen (EQJ) zur Verfügung gestellt, die insbesondere von den Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerkskammern, aber auch den Verbänden eigens akquiriert und gemeldet wurden. Die Einstiegsqualifizierungen können nach dem Sonderprogramm der Bundesregierung mit bis zu 192 EURO zuzüglich der pauschalisierten Sozialbeiträge für die Vergütung der Jugendlichen gefördert werden. Diese EQJ-Plätze werden mit Jugendlichen besetzt, die im Rahmen der Nachvermittlungsaktion trotz intensiver Vermittlungsbemühungen keinen betrieblichen Ausbildungsplatz erhalten haben. Die Einstiegsqualifizierungen sollen insbesondere Jugendlichen mit aus individuellen Gründen eingeschränkten Vermittlungsaussichten Zugang zu betrieblichen Ausbildungsangeboten eröffnen, aber auch bisher nicht ausbildende Betriebe an die Ausbildung heranführen.

- Bis Ende Dezember sind nach Angaben der Arbeitsagenturen 7.200 Jugendliche in eine betriebliche Einstiegsqualifizierung eingemündet. Es ist zu erwarten, dass im Januar und Februar noch weitere der rund 24.300 freien EQJ-Plätze besetzt werden können.

- Die bislang vorliegenden Erfahrungen belegen allerdings auch, dass es sich bei der Vermittlung in EQJ-Plätze - ähnlich wie bei Ausbildungsplätzen - um einen Matching-Prozess handelt, der die Interessen beider Seiten, des Arbeitgebers und des Jugendlichen, berücksichtigen muss. In einer nicht unerheblichen Anzahl von Fällen ist dieses Matching nach den vorliegenden Erfahrungen mit Schwierigkeiten verbunden. Manche Jugendlichen verzichten offensichtlich auf die Möglichkeiten dieses Instrumentes zugunsten anderer Alternativen (Schulbesuch, Jobben). Umgekehrt haben Betriebe trotz der angebotenen Förderung z.T. Probleme, geeignete Bewerber und Bewerberinnen für die Einstiegsqualifizierung zu finden.

- Ein mögliches Vermittlungshemmnis könnte auch in dem höheren Lebensalter der jetzt noch nicht vermittelten Bewerberinnen und Bewerber liegen. 64 Prozent haben die Schule vor mehr als einem Jahr verlassen; 45 Prozent sind 21 Jahre und älter. Betriebe bevorzugen in der Regel jüngere Bewerberinnen und Bewerber, die nicht schon diverse Überbrückungsmaßnahmen durchlaufen haben. Manche Jugendliche wiederum überbrücken die Wartezeit bis zur Ausbildung 2005 lieber mit kurzfristigen Jobs.

- Zu berücksichtigen ist schließlich auch, dass es sich bei EQJ um ein neues Instrument handelt, das für seine Akzeptanz und Implementierung einen gewissen zeitlichen Vorlauf benötigt.

 Von den rd. 29.600 bis Ende Dezember 2004 nicht mehr als unvermittelt registrierten Bewerbern und Bewerberinnen mündeten rd. 56 % in eine betriebliche Ausbildung (20 %) oder ein anderes Qualifizierungsangebot ein, darunter 13 % in EQJ, 18 % in Berufsvorbereitung und 5 % in eine Schule. Die anderen Jugendlichen entschieden sich für Arbeit/Jobben, Bundeswehr/Zivildienst, Freiwilliges Soziales Jahr oder sonstige Alternativen und waren demzufolge nicht mehr als Bewerber registriert. Allerdings haben viele von diesen Jugendlichen ihren Ausbildungswunsch nur aufgeschoben und suchen für 2005 einen Ausbildungsplatz. 12% gaben keine Rückmeldung oder hatten kein Interesse an dem Paktangebot zur Nachvermittlung.

Quelle: PM der BA

Wir lösen Ihr Rechtsproblem! AnwaltOnline - empfohlen vom SWR / ARD Buffet

Fragen kostet nichts: Sie erhalten ein unverbindliches Angebot für eine Rechtsberatung.
  Kostenlose Anfrage    vertraulich    schnell: Beratung in wenigen Stunden

Unsere Rechtsberatung - von Ihnen bewertet

Durchschnitt (4,79 von 5,00) - Bereits 95.772 Beratungsanfragen

Mein Kommentar ergibt sich schon aus nachfolgenden Antworten. Werde Ihre Dienste gerne wieder in Anspruch nehmen.

Verifzierter Rechtssuchender

Als schnelle Information sehr gut

Verifzierter Rechtssuchender