Arbeitsnormen für Seeleute

Arbeitsrecht

Die Internationale Arbeitsorganisation (IAO) hat am 23. Februar 2006 das Seearbeitsübereinkommen verabschiedet, das weltweit 1,2 Millionen Seeleute, alle Reeder und alle Staaten, die über eine Flotte verfügen, einbezieht. Als Vermittler bei den Verhandlungen hat die Europäische Kommission dazu beigetragen, die Standpunkte der Mitgliedstaaten anzunähern. Jetzt wird sie für die wirksame Umsetzung des Übereinkommens in der Europäischen Union sorgen. "Dieses Übereinkommen wird es ermöglichen, die skandalösen Verhältnisse zu beseitigen, unter denen nur zu viele Seeleute arbeiten. Es wird die Wettbewerbsbedingungen für unsere Seeschifffahrtsunternehmen gerechter gestalten" sagte Jacques Barrot, Vizepräsident und zuständig für den Bereich Verkehr, bei Abschluss der internationalen Konferenz in Genf. "Es muss unbedingt so schnell wie möglich in Kraft treten, denn bessere Arbeitsbedingungen an Bord werden sicherlich dazu beitragen, diese Berufe für die Jugend attraktiver zu machen und die Ursachen für Unfälle im Seeverkehr deutlich zu verringern" fügte er hinzu. In diesem "Konsolidierten Seearbeitsübereinkommen" werden über 65 seit Gründung der IAO verabschiedete internationale Arbeitsnormen, die die Seeschifffahrt betreffen, zusammengefasst und aktualisiert.

Das Übereinkommen regelt wesentliche Punkte wie Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen der Seeleute, etwa Vorschriften in Bezug auf Gesundheit, Sicherheit, Mindestalter, Einstellung, Arbeitszeiten, Unterbringung an Bord und Sozialschutz. Auf diese Weise sollen menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen auf den Schiffen gewährleistet werden. Die Flaggenstaaten müssen den unter ihrer Flagge fahrenden Schiffen ein Zeugnis ausstellen, ob die Arbeitsbedingungen an Bord der Schiffe den nationalen Vorschriften und internationalen Bestimmungen entsprechen. Die Schiffe der Länder, die das Übereinkommen ratifizieren und ihren Seeleuten menschenwürdige Arbeitsbedingungen anbieten, werden so durch ein Zertifizierungssystem vor unlauterem Wettbewerb geschützt.

Nun müssen 30 Staaten das Übereinkommen ratifizieren, die zusammen über einen Brutto-Schiffsraum von 30 Prozent der Welthandelsflotte verfügen. Bereits Teil ihres Arbeitsprogramms für 2006, will die EU-Kommission nun angesichts der wichtigen Rolle des Übereinkommens für die Zukunft der europäischen Seeschifffahrtsindustrie prüfen, das Übereinkommen in Gemeinschaftsrecht aufzunehmen und unter Umständen auch in Form einer Vereinbarung zwischen den Sozialpartnern im Rahmen des sozialen Dialogs einzubeziehen.

Quelle: PM EU-Kommission

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Thomas Völk, Finsing

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