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Fahrzeugbrand nach Werkstattbesuch: Wann haftet die Werkstatt?

Verkehrsrecht Lesezeit: ca. 5 Minuten

Für einen werkvertraglichen oder deliktischen Schadensersatzanspruch wegen eines Fahrzeugbrands genügt der Nachweis einer fehlerhaften Montage im Rahmen einer vorangegangenen Wartung nicht, wenn sich die für den Brand kausale Ursache nicht feststellen lässt. Die bloße zeitliche und sachliche Nähe zwischen einer nicht ordnungsgemäßen Montagearbeit und einem späteren Fahrzeugbrand begründet keine Haftung, solange der ursächliche Zusammenhang zwischen Pflichtverletzung und Schaden nicht zur Überzeugung des Gerichts feststeht.

Anspruchsgrundlagen bei Schäden nach Werkstattarbeiten

Werden an einem Kraftfahrzeug im Rahmen einer Wartung, etwa eines Ölwechsels, Arbeiten durchgeführt und kommt es in der Folge zu einem Fahrzeugbrand, kommen als Anspruchsgrundlagen sowohl vertragliche als auch deliktische Ansprüche in Betracht. Vertraglich ist an einen Schadensersatzanspruch statt der Leistung wegen mangelhafter Werkleistung nach §§ 634 Nr. 4, 280, 281 BGB zu denken, deliktisch an einen Anspruch aus § 823 BGB wegen der Verletzung des Eigentums. Macht ein Kaskoversicherer derartige Ansprüche aus übergegangenem Recht geltend, ist die Anspruchsgrundlage über § 86 VVG zu vermitteln, wonach Ersatzansprüche des Versicherungsnehmers gegen Dritte mit Zahlung der Versicherungsleistung auf den Versicherer übergehen.

Welche Voraussetzungen müssen für eine Haftung vorliegen?

Sämtliche genannten Anspruchsgrundlagen setzen neben einer Pflichtverletzung beziehungsweise einem rechtswidrigen Eingriff in ein geschütztes Rechtsgut auch die Kausalität zwischen dieser Pflichtverletzung und dem eingetretenen Schaden voraus. Die Feststellung einer fehlerhaften oder unsachgemäßen Montagearbeit an einem Fahrzeug reicht für sich genommen nicht aus, um eine Haftung zu begründen. Erforderlich ist vielmehr der Nachweis, dass gerade diese Pflichtverletzung den späteren Schaden - hier den Fahrzeugbrand - verursacht hat. Lässt sich dieser Ursachenzusammenhang trotz feststehender Pflichtverletzung nicht zur Überzeugung des Gerichts nachweisen, scheidet eine Haftung aus, unabhängig davon, ob die Montage tatsächlich fehlerhaft war.

Beweislast und Anforderungen an die richterliche Überzeugungsbildung

Nach den allgemeinen Grundsätzen trägt der Anspruchsteller die Beweislast für die haftungsbegründende Kausalität. Das Gericht muss von dem Ursachenzusammenhang nach § 286 ZPO überzeugt sein; bloße Wahrscheinlichkeiten oder das Naheliegen einer bestimmten Kausalkette genügen nicht. Kommt ein gerichtlich bestellter Sachverständiger im Rahmen von Untersuchungen, Messungen und Vergleichsversuchen zu dem Ergebnis, dass sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen der behaupteten Pflichtverletzung und dem eingetretenen Schaden nicht herstellen lässt, geht dies zu Lasten des beweisbelasteten Anspruchstellers. Dies gilt auch dann, wenn eine bestimmte Kausalkette - etwa zwischen gelösten Bauteilen im Ansaugsystem und einer Überhitzung eines Partikelfilters - naheliegend erscheint, durch die tatsächliche Beweisaufnahme jedoch gerade nicht bestätigt wird.

Welche Bedeutung haben alternative Kausalverläufe?

Steht neben der vom Anspruchsteller behaupteten Schadensursache eine ernsthaft in Betracht kommende alternative Ursache im Raum, die durch die Beweisaufnahme nicht ausgeschlossen werden kann, spricht dies gegen eine für die richterliche Überzeugungsbildung hinreichend sichere Kausalität der behaupteten Pflichtverletzung. Im vorliegend zu entscheidenden Fall bestand als alternative Ursache für den Brand des Partikelfilters unter anderem ein möglicherweise fehlendes Additiv, das für eine ordnungsgemäße Regeneration des Filters bei niedrigeren Temperaturen erforderlich ist. Auch der Umstand, dass Partikelfilterbrände nach den Ausführungen des Sachverständigen nicht ungewöhnlich sind und auch ohne vorangegangene Montagemängel auftreten können, spricht gegen eine gesicherte Kausalität.


LG Wuppertal, 31.07.2015 - Az: 4 O 256/12

ECLI:DE:LGW:2015:0731.4O256.12.00


Hinweis: Urteile geben die Rechtsauffassung des Gerichts zum Entscheidungsdatum wieder und ersetzen keine rechtliche Beratung im Einzelfall. Für Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit wird keine Gewähr übernommen.

Patrizia Klein (Rechtsanwältin, Fachanwältin für Familienrecht)Alexandra Klimatos (Rechtsanwältin, Absolventin der Fachanwaltslehrgänge: Familienrecht, Bank- und Kapitalmarktrecht, Miet- und Wohnungseigentumsrecht)Dr. jur. Jens-Peter Voß (Rechtsanwalt)

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