Rechtsprobleme anwaltlich lösen lassen   Jetzt Anfrage stellen Bereits 418.284 Anfragen

Unfallmanipulation und die Darlegungs- und Beweislast

Verkehrsrecht Lesezeit: ca. 3 Minuten

Ein manipuliertes Unfallgeschehen, das von den Beteiligten unter Einschluss des vermeintlich Geschädigten vorsätzlich herbeigeführt wird, begründet keinen Anspruch auf Schadensersatz gegen den vermeintlichen Schädiger oder dessen Haftpflichtversicherer. Maßgeblich ist, dass es sich nicht um ein unfreiwilliges Schadensereignis handelt, sondern um ein bewusst herbeigeführtes Geschehen, in das der Geschädigte eingewilligt hat.

Die Darlegungs- und Beweislast für eine solche Einwendung trifft den Schädiger beziehungsweise dessen Haftpflichtversicherer. Nach ständiger Rechtsprechung (BGH, 13.12.1977 - Az: VI ZR 206/75; BGH, 13.12.1977 - Az: VI ZR 36/76; BGH, 05.12.1978 - Az: VI ZR 185/77; BGH, 05.12.1978 - Az: VI ZR 71/77; BGH, 01.10.2019 - Az: VI ZR 164/18) kann der Nachweis durch Indizien geführt werden, wenn sich typische Merkmale eines manipulierten Unfalls in auffälliger Häufung zeigen. In der Gesamtschau muss sich aus diesen Indizien nach der Lebenserfahrung die Überzeugung ableiten lassen, dass eine Unfallmanipulation vorliegt.

Für die Beweisführung sind einzelne, für sich neutrale oder sogar gegen eine Manipulation sprechende Indizien nicht ausschlaggebend. Entscheidend ist die Gesamtwürdigung aller Umstände. Als gewichtig angesehen werden insbesondere Faktoren wie die Beteiligung hochpreisiger Fahrzeuge, die fiktive Abrechnung der Schäden, eine suggerierte eindeutige Haftungslage, die Nutzung von Mietwagen auf der Schädigerseite, wiederholte Verwicklungen einzelner Beteiligter in vergleichbare Schadensfälle, fehlende neutrale Zeugen oder ein sofortiges Schuldeingeständnis ohne nachvollziehbare Erklärung.

Soweit entlastende Gesichtspunkte wie eine bestehende Vollkaskoversicherung, fehlende Vorunfälle oder eine geordnete wirtschaftliche Situation des Geschädigten vorgebracht werden, stellen diese lediglich neutrale Umstände dar, die eine Unfallmanipulation nicht ausschließen. Gleiches gilt für die Einschaltung der Polizei oder die Örtlichkeit des Geschehens. Auch die Plausibilität eines behaupteten Unfallablaufs bildet lediglich ein einzelnes Indiz, das in die Gesamtwürdigung einfließt, diese aber nicht zwingend zugunsten des Geschädigten verändert.

Liegen mehrere für eine Unfallmanipulation typische Indizien in auffälliger Häufung vor, so kann auf Grundlage der Gesamtbetrachtung eine bewusste Herbeiführung des Schadensgeschehens bejaht werden, ohne dass es einer technischen Rekonstruktion im Detail noch bedarf.


OLG Bremen, 01.07.2022 - Az: 1 U 24/22


Hinweis: Urteile geben die Rechtsauffassung des Gerichts zum Entscheidungsdatum wieder und ersetzen keine rechtliche Beratung im Einzelfall. Für Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit wird keine Gewähr übernommen.

Theresia Donath (Rechtsanwältin, Fachanwältin für Verkehrsrecht)Alexandra Klimatos (Rechtsanwältin, Absolventin der Fachanwaltslehrgänge: Familienrecht, Bank- und Kapitalmarktrecht, Miet- und Wohnungseigentumsrecht)Patrizia Klein (Rechtsanwältin, Fachanwältin für Familienrecht)

Wir lösen Ihr Rechtsproblem!

AnwaltOnline – bekannt aus radioeins 

Das sagen Mandanten über unsere Rechtsberatung

Durchschnitt (4,85 von 5,00 - 1.271 Bewertungen)

Die Kommunikation per Mail verlief zügig und völlig problemlos. So kommt man sehr schnell zu einer fundierten Aussage eines Fachanwalts. Vielen Dank ...
Thomas Clingen, Köln
Herr Dr. Voß hat meinen Anspruch als Privatkunde gegen ein Großunternehmen binnen weniger Tage erfolgreich durchgesetzt. Obwohl es um eine relativ ...
Verifizierter Mandant