Sind Aushilfsjobs sozialversicherungsfrei oder sozialversicherungspflichtig?

Arbeitsrecht

Die Beschäftigung von Schülern und Studenten ist dann grundsätzlich versicherungsfrei in allen Zweigen der Sozialversicherung, wenn ausschließlich eine geringfügige Beschäftigung ausgeübt wird. Zu unterscheiden sind zwei Arten der geringfügigen Beschäftigung: Die geringfügig entlohnte und die kurzfristige Beschäftigung (Saisonbeschäftigung). Das Recht hierzu hat sich mit Wirkung vom 1. April 2003 an durch das Zweite Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt vom 23. Dezember 2002 grundlegend geändert.

Seit dem 1. Januar 2013 liegt eine geringfügig entlohnte Beschäftigung vor, wenn das Arbeitsentgelt aus dieser Beschäftigung regelmäßig im Monat 450 € nicht übersteigt. Die wöchentliche Arbeitszeit ist dabei unerheblich.

Werden mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungen bei verschiedenen Arbeitgebern ausgeübt, sind die Arbeitsentgelte aus den einzelnen Beschäftigungen zusammenzurechnen. Wird in der Summe die Grenze von 450 € überschritten, sind alle Beschäftigungen versicherungspflichtig.

Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn die Beschäftigung entweder vertraglich im Voraus auf längstens drei Monate oder 70 Arbeitstage im Kalenderjahr begrenzt ist oder nach der Art der Tätigkeit anzunehmen ist, dass sie diesen Zeitraum nicht übersteigen wird. Dies gilt nicht, wenn die Beschäftigung berufsmäßig ausgeübt wird und das Arbeitsentgelt aus dieser Beschäftigung 450 € überschreitet.

Zeiten mehrerer aufeinanderfolgender kurzfristiger Beschäftigungen sind zusammenzurechnen. Eine Zusammenrechnung ist nicht vorzunehmen, wenn eine geringfügig entlohnte Beschäftigung mit einer kurzfristigen Beschäftigung zusammentritt.

Während der geringfügig entlohnte Beschäftigte - abgesehen von nachstehender Verzichtsmöglichkeit - selbst beitragsfrei in der Sozialversicherung ist, hat der Arbeitgeber unter bestimmten Voraussetzungen Pauschalbeiträge zur Krankenversicherung (in der Regel 13 % des Arbeitsentgelts) und zur Rentenversicherung (in der Regel 15 % des Arbeitsentgelts) zu zahlen. Zur Pflege- und Arbeitslosenversicherung fallen solche Pauschalbeiträge nicht an. Für versicherungsfreie kurzfristige Beschäftigungen sind keine Pauschalbeiträge zu zahlen.

Geringfügig entlohnte Beschäftigte können auf die Versicherungsfreiheit in der gesetzlichen Rentenversicherung durch schriftliche Erklärung gegenüber dem Arbeitgeber verzichten und dadurch volle Leistungsansprüche in der Rentenversicherung erwerben.

Sofern der Beschäftigte hiervon Gebrauch macht, muss er den vom Arbeitgeber zu tragenden Pauschalbetrag um den Betrag aufstocken, der zum vollen Rentenversicherungsbetrag fehlt. Reicht das Arbeitsentgelt hierfür nicht aus, hat der Beschäftigte dem Arbeitgeber den verbleibenden Betrag zu erstatten.

Aus den Pauschalbeiträgen werden keine Ansprüche zur Krankenversicherung, aber entsprechend der Beitragshöhe reduzierte Leistungen der Rentenversicherung erworben.

Werden die Grenzen einer geringfügigen Beschäftigung überschritten, gilt grundsätzlich das Folgende:

Studenten

Studenten, die neben ihrem Studium eine Beschäftigung bis zu 20 Stunden wöchentlich ausüben, sind nicht versicherungspflichtig in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, jedoch grundsätzlich versicherungspflichtig in der Rentenversicherung.

Wird die Beschäftigung während der studienfreien Zeit (an Wochenenden, in Abend- oder Nachtstunden) ausgeübt, kann die 20-Stunden-Grenze auch überschritten werden, ohne dass Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung eintritt. Es sei denn, der Student zählt zu den berufsmäßig Beschäftigten, d.h., dass kein überwiegendes Studium vorliegt. Dies ist dann der Fall, wenn er im Laufe eines Jahres mehr als 26 Wochen (182 Tage) mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als 20 Stunden beschäftigt wird.

Wichtig: In den Semesterferien darf der Studentenjob auch über zwei Monate (kurzfristige Beschäftigung) hinausgehen, ohne dass die Beschäftigung - mit Ausnahme der Rentenversicherung - sozialversicherungspflichtig wird. Der Job muss sich aber im zeitlichen Rahmen der Ferien bewegen.

Personen, die als Praktikanten eine in Studien- und Prüfungsordnungen vorgeschriebene berufspraktische Tätigkeit verrichten, bleiben, wenn und solange sie an einer Hoch- bzw. Fachhochschule immatrikuliert sind, ihrem Erscheinungsbild nach Studenten. Für sie besteht deshalb, soweit das Praktikum als eine in den Betrieb verlagerte schulische Ausbildung gilt, Versicherungsfreiheit in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung sowie in der Rentenversicherung. Dies schließt jedoch ggf. eine Versicherungspflicht in der Kranken- und Pflegeversicherung als Student nicht aus. Die Dauer des Praktikums, die wöchentliche Arbeitszeit sowie die Höhe des während des Praktikums erzielten Arbeitsentgelts spielen bei der sozialversicherungsrechtlichen Beurteilung keine Rolle.

Schüler

Die Beschäftigung von Schülern ist nur im Rahmen des Jugendarbeitsschutzgesetzes möglich.

Schüler allgemeinbildender Schulen unterliegen in einer Beschäftigung grundsätzlich der Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung, sofern es sich nicht um eine geringfügige Beschäftigung handelt. In der Arbeitslosenversicherung sind Schüler generell arbeitslosenversicherungsfrei.

Schüler und Studenten sind in ihrer Beschäftigung grundsätzlich gesetzlich unfallversichert. Diese Beiträge werden vom Arbeitgeber getragen.

Letztlich und im konkreten Einzelfall hat die zuständige Krankenkasse (Einzugsstelle für den Gesamtsozialversicherungsbeitrag) über die Versicherungspflicht und die Beitragshöhe in der gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung sowie nach dem Recht der Arbeitsförderung zu entscheiden.

Letzte Aktualisierung: 31.01.2019

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