Ob ein Gemälde, ein Roman, eine Software oder die Form eines Gebrauchsgegenstands - das Urheberrechtsgesetz schützt nicht jede Schöpfung, sondern nur das „Werk” im Sinne des § 2 UrhG. Für Kreative, aber auch für Unternehmen, die fremde Gestaltungen nutzen oder eigene verteidigen wollen, ist die Antwort auf die Frage, ob überhaupt ein Werk vorliegt, entscheidend.
Entscheidend ist jedoch nicht allein die Zuordnung zu einer dieser Kategorien. Nach § 2 Abs. 2 UrhG sind Werke im Sinne des Gesetzes nur persönliche geistige Schöpfungen. Diese Voraussetzung muss zusätzlich zur Werkart erfüllt sein; beide Absätze des § 2 UrhG stehen kumulativ nebeneinander.
Geistig ist die Schöpfung, wenn sie unmittelbar auf einen menschlichen Gestaltungsprozess zurückgeht und einen Gedanken- oder Gefühlsinhalt vermittelt. Reine Zufallserzeugnisse, rein maschinell erzeugte Ergebnisse sowie schlichte, entdeckte Tatsachen scheiden von vornherein aus. Wird eine Software oder ein technisches Hilfsmittel lediglich als Werkzeug eingesetzt - vergleichbar mit einem Pinsel oder einer Kamera -, bleibt das Ergebnis grundsätzlich schutzfähig, sofern die übrigen Voraussetzungen vorliegen. Erzeugt das Hilfsmittel das Ergebnis dagegen eigenständig, ohne eine dahinterstehende menschliche gestalterische Entscheidung, fehlt es an der persönlichen Schöpfung.
Persönlich ist eine Schöpfung, wenn sie mehr an Individualität aufweist als eine Leistung, die irgendjemand mit vergleichbarer Ausbildung und Begabung ebenso hätte erbringen können. Dieses Kriterium grenzt das Werk von rein handwerklichen oder routinemäßigen Ergebnissen ab.
Für Werke der angewandten Kunst - also Designobjekte und Gebrauchsgegenstände - galt lange ein strengerer Maßstab als für die zweckfreie Kunst, weil hier zusätzlich der Designschutz zur Verfügung stand. Diese Unterscheidung hat der Bundesgerichtshof aber bereits vor Jahren aufgegeben (vgl. BGH, 13.11.2013 - Az: I ZR 143/12): An Werke der angewandten Kunst sind seither grundsätzlich keine höheren Anforderungen mehr zu stellen als an Werke der zweckfreien bildenden Kunst oder des literarischen und musikalischen Schaffens. Es genügt, dass eine Gestaltung eine Höhe erreicht, die es nach Auffassung der für Kunst empfänglichen und mit Kunstanschauungen einigermaßen vertrauten Kreise rechtfertigt, von einer künstlerischen Leistung zu sprechen.
Diese Grundsätze hat der Europäische Gerichtshof jüngst in einem Verfahren bestätigt und präzisiert, das unter anderem ein aus Deutschland vorgelegtes modulares Möbelsystem betraf (vgl. EuGH, 04.12.2025 - Az: C-580/23, C-795/23; BGH, 02.07.2026 - Az: I ZR 96/22). Danach ist die Originalität eines Gegenstands objektiv anhand des Erzeugnisses selbst zu beurteilen, und für die Feststellung einer Urheberrechtsverletzung muss nachgewiesen werden, dass konkrete, wiedererkennbare schöpferische Elemente im angegriffenen Erzeugnis übernommen wurden. Der Gesamteindruck allein genügt dafür nicht.
Wie unterschiedlich die Bewertung im Einzelfall ausfallen kann, zeigen zwei aktuelle Entscheidungen. Der Bundesgerichtshof hat der bekannten Birkenstock-Sandale den Urheberrechtsschutz versagt, da die Gestaltung im Wesentlichen technisch-funktional bedingt sei und der verbleibende gestalterische Freiraum nicht in künstlerischer Weise ausgenutzt worden sei; die Darlegungslast dafür trage derjenige, der sich auf den Schutz beruft (vgl. BGH, 20.02.2025 - Az: I ZR 16/24, I ZR 17/24, I ZR 18/24).
Wenige Monate später hat ein Landgericht die charakteristische Korpusform der weltbekannten E-Gitarre Fender „Stratocaster“ demgegenüber als Werk der angewandten Kunst eingeordnet. In der Begründung beschreibt das Gericht die asymmetrisch geschwungene Form mit ihren weichen Rundungen bildhaft als Assoziation an einen menschlichen Körper (vgl. LG Düsseldorf, 22.12.2025 - Az: 14c O 64/25). Beide Entscheidungen betreffen letztlich dieselbe Frage: Geht die Gestaltung über das hinaus, was die Funktion des Gegenstands vorgibt, und lässt sich darin ein künstlerischer Gestaltungsspielraum erkennen? Je nach Produkt kann die Antwort völlig unterschiedlich ausfallen.
Gesetzlicher Ausgangspunkt
§ 2 Abs. 1 UrhG zählt beispielhaft Werkarten auf: Sprachwerke wie Schriftwerke, Reden und Computerprogramme, Werke der Musik, pantomimische Werke einschließlich der Werke der Tanzkunst, Werke der bildenden Künste einschließlich der Werke der Baukunst und der angewandten Kunst, Lichtbildwerke, Filmwerke sowie Darstellungen wissenschaftlicher oder technischer Art wie Zeichnungen, Pläne, Karten, Skizzen, Tabellen und plastische Darstellungen. Die Aufzählung ist nicht abschließend, weshalb auch neuere Werkarten wie Multimediawerke erfasst sein können.Entscheidend ist jedoch nicht allein die Zuordnung zu einer dieser Kategorien. Nach § 2 Abs. 2 UrhG sind Werke im Sinne des Gesetzes nur persönliche geistige Schöpfungen. Diese Voraussetzung muss zusätzlich zur Werkart erfüllt sein; beide Absätze des § 2 UrhG stehen kumulativ nebeneinander.
Was liegt eine persönliche geistige Schöpfung vor?
Unter einer Schöpfung versteht man das wahrnehmbare Ergebnis eines menschlichen Denkprozesses. Bloße Ideen oder Vorstellungen genügen nicht, solange sie nicht nach außen treten und sinnlich wahrnehmbar werden. Fertig muss das Werk dabei nicht sein: Auch Skizzen oder Entwürfe können Schutz genießen.Geistig ist die Schöpfung, wenn sie unmittelbar auf einen menschlichen Gestaltungsprozess zurückgeht und einen Gedanken- oder Gefühlsinhalt vermittelt. Reine Zufallserzeugnisse, rein maschinell erzeugte Ergebnisse sowie schlichte, entdeckte Tatsachen scheiden von vornherein aus. Wird eine Software oder ein technisches Hilfsmittel lediglich als Werkzeug eingesetzt - vergleichbar mit einem Pinsel oder einer Kamera -, bleibt das Ergebnis grundsätzlich schutzfähig, sofern die übrigen Voraussetzungen vorliegen. Erzeugt das Hilfsmittel das Ergebnis dagegen eigenständig, ohne eine dahinterstehende menschliche gestalterische Entscheidung, fehlt es an der persönlichen Schöpfung.
Persönlich ist eine Schöpfung, wenn sie mehr an Individualität aufweist als eine Leistung, die irgendjemand mit vergleichbarer Ausbildung und Begabung ebenso hätte erbringen können. Dieses Kriterium grenzt das Werk von rein handwerklichen oder routinemäßigen Ergebnissen ab.
Welche Rolle spielt die Schöpfungshöhe?
Ergänzend verlangt die Rechtsprechung eine gewisse Gestaltungshöhe, also ein Mindestmaß an Individualität, das die Schöpfung von alltäglichen, rein handwerklichen Erzeugnissen abhebt. Nach der sogenannten Lehre der kleinen Münze genügt dafür bereits ein geringes Maß an schöpferischer Eigenart; besonders hohe Anforderungen an die künstlerische Qualität stellt das Urheberrecht nicht.Für Werke der angewandten Kunst - also Designobjekte und Gebrauchsgegenstände - galt lange ein strengerer Maßstab als für die zweckfreie Kunst, weil hier zusätzlich der Designschutz zur Verfügung stand. Diese Unterscheidung hat der Bundesgerichtshof aber bereits vor Jahren aufgegeben (vgl. BGH, 13.11.2013 - Az: I ZR 143/12): An Werke der angewandten Kunst sind seither grundsätzlich keine höheren Anforderungen mehr zu stellen als an Werke der zweckfreien bildenden Kunst oder des literarischen und musikalischen Schaffens. Es genügt, dass eine Gestaltung eine Höhe erreicht, die es nach Auffassung der für Kunst empfänglichen und mit Kunstanschauungen einigermaßen vertrauten Kreise rechtfertigt, von einer künstlerischen Leistung zu sprechen.
Unionsrechtlicher Werkbegriff
Der Werkbegriff wird inzwischen maßgeblich durch das Unionsrecht geprägt. Der Europäische Gerichtshof hat klargestellt, dass ein Gegenstand nur dann als „Werk” im Sinne der Urheberrechtsrichtlinie gilt, wenn er original ist, also eine eigene geistige Schöpfung seines Urhebers darstellt, und wenn er mit hinreichender Genauigkeit und Objektivität identifizierbar ist (vgl. EuGH, 12.09.2019 - Az: C-683/17). Auf eine besondere ästhetische Wirkung kommt es dabei nicht an; ebenso wenig darauf, ob für denselben Gegenstand zusätzlich Designschutz besteht - beide Schutzrechte können nebeneinander bestehen.Diese Grundsätze hat der Europäische Gerichtshof jüngst in einem Verfahren bestätigt und präzisiert, das unter anderem ein aus Deutschland vorgelegtes modulares Möbelsystem betraf (vgl. EuGH, 04.12.2025 - Az: C-580/23, C-795/23; BGH, 02.07.2026 - Az: I ZR 96/22). Danach ist die Originalität eines Gegenstands objektiv anhand des Erzeugnisses selbst zu beurteilen, und für die Feststellung einer Urheberrechtsverletzung muss nachgewiesen werden, dass konkrete, wiedererkennbare schöpferische Elemente im angegriffenen Erzeugnis übernommen wurden. Der Gesamteindruck allein genügt dafür nicht.
Wie unterschiedlich die Bewertung im Einzelfall ausfallen kann, zeigen zwei aktuelle Entscheidungen. Der Bundesgerichtshof hat der bekannten Birkenstock-Sandale den Urheberrechtsschutz versagt, da die Gestaltung im Wesentlichen technisch-funktional bedingt sei und der verbleibende gestalterische Freiraum nicht in künstlerischer Weise ausgenutzt worden sei; die Darlegungslast dafür trage derjenige, der sich auf den Schutz beruft (vgl. BGH, 20.02.2025 - Az: I ZR 16/24, I ZR 17/24, I ZR 18/24).
Wenige Monate später hat ein Landgericht die charakteristische Korpusform der weltbekannten E-Gitarre Fender „Stratocaster“ demgegenüber als Werk der angewandten Kunst eingeordnet. In der Begründung beschreibt das Gericht die asymmetrisch geschwungene Form mit ihren weichen Rundungen bildhaft als Assoziation an einen menschlichen Körper (vgl. LG Düsseldorf, 22.12.2025 - Az: 14c O 64/25). Beide Entscheidungen betreffen letztlich dieselbe Frage: Geht die Gestaltung über das hinaus, was die Funktion des Gegenstands vorgibt, und lässt sich darin ein künstlerischer Gestaltungsspielraum erkennen? Je nach Produkt kann die Antwort völlig unterschiedlich ausfallen.
Was für den Werkbegriff keine Rolle spielt
Unerheblich für die Einordnung als Werk ist der mit der Schöpfung verbundene Aufwand oder die dafür entstandenen Kosten. Eine rein handwerkliche Leistung, die jede durchschnittlich befähigte Person ebenso hätte erbringen können, bleibt außerhalb des Schutzbereichs, mag sie auch mit erheblichem Fleiß und solidem Können verbunden gewesen sein. Ebenso wenig kommt es auf den Umfang des Werkes an - auch ein kurzer Werbeslogan kann geschützt sein -, auf den Zweck, dem es dient, oder auf seine künstlerische, wissenschaftliche oder literarische Qualität. Selbst rechtswidrige oder beleidigende Inhalte sind vom urheberrechtlichen Schutz nicht ausgeschlossen, solange die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind.Abgrenzung zum freien Allgemeingut
Nicht jede sinnlich wahrnehmbare Gestaltung fällt automatisch in den Schutzbereich. Tatsächliche Gegebenheiten, historische Ereignisse und Personen, Naturerscheinungen sowie Naturgesetze gehören zum frei nutzbaren Gemeingut. Auch reine Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse sind niemals geschützt - geschützt sein kann allenfalls die konkrete sprachliche Darstellung, sofern diese die erforderliche Gestaltungshöhe erreicht. Für in Presse und Rundfunk verbreitete Tagesneuigkeiten und vermischte Nachrichten tatsächlichen Inhalts stellt zudem § 49 UrhG ausdrücklich klar, dass ihre Verwertung zulässig ist.Wandlung des Maßstabs bei wissenschaftlichen Texten
Wie stark sich Maßstäbe verschieben können, zeigt die Bewertung von Texten mit wissenschaftlichem Anspruch. Der Bundesgerichtshof verlangte für einen anwaltlichen Schriftsatz früher, dass dieser das Alltägliche und Handwerksmäßige deutlich überragen müsse, da er ihn dem wissenschaftlichen Bereich zuordnete (vgl. BGH, 17.04.1986 - Az: I ZR 213/83). An dieser erhöhten Schutzuntergrenze wird nicht mehr festgehalten. Nachdem der Europäische Gerichtshof den unionsrechtlichen Werkbegriff werkartenübergreifend vereinheitlicht hat, gilt seit einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts auch für wissenschaftliche Sprachwerke derselbe, abgesenkte Maßstab wie für andere Werkarten (vgl. BVerwG, 26.09.2019 - Az: 7 C 1.18). Ein Anwaltsschriftsatz kann damit heute leichter Urheberrechtsschutz genießen als noch vor einigen Jahren angenommen.Wann lohnt sich eine genaue Prüfung des Einzelfalls?
Die dargestellten Entscheidungen machen deutlich, dass die Einordnung als Werk regelmäßig eine Frage des Einzelfalls bleibt. Wer sich auf einen urheberrechtlichen Schutz berufen möchte, sollte konkret darlegen können, welche Gestaltungselemente über das rein Funktionale oder Alltägliche hinausgehen und welcher kreative Spielraum dabei bestand. Gerade bei Gebrauchsgegenständen empfiehlt es sich, gestalterische Entscheidungen und die dahinterstehenden Überlegungen bereits während des Schaffensprozesses zu dokumentieren, da die Beweislast im Streitfall bei demjenigen liegt, der den Schutz beansprucht.Für die rechtssichere Prüfung Ihres individuellen Falles im Bereich Urheberrecht können Sie direkt über AnwaltOnline eine Online-Erstberatung zum Festpreis anfordern.
Stand: (letzte Änderung: 20.10.2026)
Hinweis: Diese Informationen ersetzen keine rechtliche Beratung im Einzelfall. Für Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit wird keine Gewähr übernommen.
Beitrag von: RA Dr. jur. Jens-Peter Voß
Ein Werk ist nach § 2 Abs. 2 UrhG eine persönliche geistige Schöpfung. Sie muss von einem Menschen stammen, einen geistigen Gehalt aufweisen, in einer wahrnehmbaren Form vorliegen und ein Mindestmaß an Individualität besitzen.
Nein. Eine bloße Idee oder Vorstellung ist nicht schutzfähig. Erforderlich ist eine wahrnehmbare, konkrete Formgestaltung, in der sich die Idee ausdrückt.
Die Schöpfungshöhe beschreibt das Mindestmaß an Individualität, das eine Gestaltung von rein handwerklichen oder alltäglichen Erzeugnissen abhebt. Nach der Lehre der kleinen Münze genügt bereits ein geringer Grad an schöpferischer Eigenart.
Ja, als Werke der angewandten Kunst. Voraussetzung ist, dass die Gestaltung über die rein technisch-funktionale Form hinausgeht und ein künstlerischer Gestaltungsspielraum erkennbar genutzt wurde.
Nein. Weder der finanzielle noch der zeitliche Aufwand sind für die urheberrechtliche Schutzfähigkeit entscheidend. Maßgeblich ist allein die individuelle, geistige Gestaltungsleistung.
Tatsächliche Gegebenheiten, historische Ereignisse und Personen, Naturgesetze sowie reine Fakten sind nicht urheberrechtlich geschützt. Schutz kann sich allenfalls aus der konkreten sprachlichen Darstellung ergeben.
Die Darlegungs- und Beweislast trägt derjenige, der sich auf den urheberrechtlichen Schutz beruft. Er muss die konkreten Gestaltungselemente benennen, aus denen sich die Individualität ergeben soll.
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