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Duldung ist keine Zustimmung: Warum EU-Flüchtlinge keinen deutschen Aufenthaltstitel bekommen

Ausländerrecht | Lesezeit: ca. 7 Minuten

Ein im EU-Ausland anerkannter Flüchtling hat in Deutschland keinen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis nach § 25 Abs. 2 Satz 1 AufenthG, solange die Verantwortung für den Flüchtling nicht auf die Bundesrepublik Deutschland übergegangen ist. Weder eine Aufenthaltsgestattung während eines laufenden Asylverfahrens noch eine Duldung begründen eine solche Verantwortungsübernahme, wenn die deutschen Behörden zu keinem Zeitpunkt eine dauerhafte Niederlassung gebilligt haben.

Kein Anspruch auf Aufenthaltserlaubnis bei ausländischer Flüchtlingsanerkennung

§ 25 Abs. 2 Satz 1 AufenthG knüpft die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis daran, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Flüchtlingseigenschaft i.S.d. § 3 Abs. 1 AsylG oder subsidiären Schutz i.S.d. § 4 Abs. 1 AsylG zuerkannt hat. Hat nicht das Bundesamt, sondern die Behörde eines anderen EU-Mitgliedstaats die Flüchtlingseigenschaft festgestellt, scheidet ein Anspruch nach dieser Norm aus. Die Voraussetzungen für eine analoge Anwendung liegen ebenfalls nicht vor, da keine planwidrige Regelungslücke besteht: Der Gesetzgeber hat den Fall im Ausland anerkannter Flüchtlinge ausdrücklich in § 60 Abs. 1 Satz 2 Alt. 3 AufenthG geregelt, der lediglich einen auf den Abschiebungsschutz begrenzten Wirkungsbereich hat.

Keine unionsrechtskonforme Auslegung ohne Verantwortungsübergang

Eine völkerrechtliche Bindung eines Vertragsstaats an die Anerkennungsentscheidung eines anderen Konventionsstaates sieht die Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) nicht vor (vgl. BVerfG, 14.11.1979 - Az: 1 BvR 654/79). Gleiches gilt für das Unionsrecht. Es besteht kein Anspruch auf eine neuerliche Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft oder auf eine hieran anknüpfende Erteilung eines Aufenthaltstitels in Deutschland (vgl. BVerwG, 17.06.2014 - Az: 10 C 7.13). Allerdings kann ein in einem anderen Mitgliedstaat anerkannter Flüchtling unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne erneutes Asylverfahren in den vollen Genuss der mit der Flüchtlingsanerkennung verbundenen Rechte gelangen (vgl. BVerwG, 02.08.2017 - Az: 1 C 2.17). Nach der Rechtsprechung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs umfasst dies auch die Ausstellung eines Aufenthaltstitels i.S.d. Art. 24 Abs. 1 UAbs. 1 Anerkennungs-RL (vgl. BayVGH, 10.12.2024 - Az: 19 B 24.666). Voraussetzung hierfür ist jedoch stets der Verantwortungsübergang auf den Aufenthaltsstaat.


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