Lohnfortzahlung an Feiertagen

Arbeitsrecht

Zunächst gilt ein Beschäftigungsverbot von Arbeitnehmern an gesetzlichen Feiertagen (§ 9 ArbZG). Dieses wird jedoch durch diverse Ausnahmen aufgeweicht – so zum Beispiel für Not- und Rettungsdienste, Feuerwehr, Krankenhäuser und Gaststätten (§ 10 ArbZG).  Arbeitet der Arbeitnehmer an einem Feiertag, so ist ihm ein Ausgleich zu gewähren.

Feiertage sind in den Feiertagsgesetzen der einzelnen Bundesländer festgelegt, darüber hinaus ist der 3. Oktober bundesgesetzlich als Feiertag definiert.

Maßgeblich sind hierbei die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse am Arbeitsort, da die öffentlich-rechtlichen Feiertagsgesetze für diejenigen Arbeitnehmer gelten, die sich am fraglichen Tag zur Arbeit in dem entsprechenden Bundesland aufhalten.

Wann muss der Feiertag bezahlt werden?

Arbeitszeiten, die aufgrund eines gesetzlichen Feiertags ausfallen, weil der Arbeitnehmer an diesem Tag hätte arbeiten müssen wenn es sich um einen normalen Arbeitstag gehandelt hätte, sind wie ein normaler Arbeitstag zu bezahlen – es gilt das Lohnausfallprinzip des § 2 EFZG:

Für Arbeitszeit, die infolge eines gesetzlichen Feiertages ausfällt, hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer das Arbeitsentgelt zu zahlen, das er ohne den Arbeitsausfall erhalten hätte.

Dieser Anspruch des Arbeitnehmers ist unabdingbar - von den Vorschriften des Entgeltfortzahlungsgesetzes darf nicht zuungunsten des Mitarbeiters abgewichen werden (§ 12 EFZG).

Arbeitnehmern steht der Arbeitslohn zu, den Sie erhalten hätten, wenn kein Feiertag gewesen wäre. Zu zahlen ist an einen Feiertag mithin der gleiche Stundenlohn wie an einem regulären Arbeitstag. Ein Gleiches gilt für Überstunden und Überstundenzuschläge - diese sind in voller Höhe zu zahlen, wenn diese auch üblicherweise an einem Arbeitstag entstanden wären.

Dieser Anspruch des Arbeitnehmers gilt unabhängig von der Dauer des Arbeitsverhältnisses oder der zu leistenden Stundenzahl und auch bei bestehender Arbeitsunfähigkeit. Keinen Anspruch haben alle diejenigen, die nach den allgemeinen Regeln keine Arbeitnehmer sind (z. B. Heimarbeiter).

Arbeitszeit, die an einem gesetzlichen Feiertag infolge von Kurzarbeit ausfällt und für die an anderen Tagen als an gesetzlichen Feiertagen Kurzarbeitergeld geleistet wird, gilt als infolge eines gesetzlichen Feiertages nach § 2 Absatz 1 EFZG ausgefallen.

Der Arbeitnehmer hat auch keinen Anspruch auf Vergütung, wenn die Arbeit an diesem Tag ohnehin ausgefallen wäre (z.B. aufgrund eines Schichtplans, Streik, Witterungsgründen oder im Rahmen einer flexiblen Arbeitszeitregelung [BAG, 24.01.2001 – Az: 4 AZR 538/99]).

Dies darf der Arbeitgeber diese Regelung aber nicht missbrauchen - die dienstplanmäßige Freistellung des Arbeitnehmers am Feiertag schließt dessen Anspruch auf Entgeltfortzahlung nur dann aus, wenn sich die Arbeitsbefreiung aus einem Schema ergibt, das von der Feiertagsruhe an bestimmten Tagen unabhängig ist (BAG, 09.10.1996 – Az: 5 AZR 345/95; BAG, 27.03.2014 – Az: 6 AZR 621/12). Auch die Änderung des Arbeitszeitplans für Wochen mit einem gesetzlichen Feiertag ist eine Diskriminierung und verstößt gegen § 4 TzBfG.

Fällt der Feiertag auf einen Urlaubstag, so besteht Anspruch auf Freistellung und Feiertagsvergütung.

Krankheit

Für den Fall einer Erkrankung an einem Feiertag gilt § 3 EFZG (Lohnfortzahlung im Krankheitsfall). Der Arbeitgeber übernimmt die Lohn- oder Gehaltszahlungen bis zu sechs Wochen, sofern die Voraussetzung eines vierwöchigen, ununterbrochenen Dienstverhältnisses erfüllt ist.

Achtung: Der Lohnanspruch entfällt, wenn der Arbeitnehmer am letzten Tag vor oder am ersten Tag nach einem Feiertag unentschuldigt der Arbeit fernbleibt (§ 2 Abs. 3 EFZG)!

Auslandseinsatz

Ein deutscher Arbeitnehmer, der von einem deutschen Arbeitgeber im Ausland eingesetzt wird, hat er grundsätzlich keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung nach § 2 EFZG.

Keine Geltung für Gehaltsempfänger

Arbeitnehmer, die unabhängig von ihrer tatsächlichen Arbeitszeit feste Bezüge erhalten (Gehaltsempfänger), sind hiervon nicht betroffen da der Feiertrag zu keinem Verdienstausfall führt. Das Gehalt wird schließlich an Feiertagen weitergezahlt.

Letzte Aktualisierung: 01.07.2019

Wir lösen Ihr Rechtsproblem! AnwaltOnline - empfohlen von WDR "Mittwochs live"

Fragen kostet nichts: Sie erhalten ein unverbindliches Angebot für eine Rechtsberatung.
  Kostenloses Angebot    vertraulich    schnell: Beratung in wenigen Stunden

Unsere Rechtsberatung - von Ihnen bewertet

Durchschnitt (4,80 von 5,00) - Bereits 131.427 Beratungsanfragen

5 Monate nach Ihrer Beratung und dem Einreichen der Unterlagen bei dem Familiengericht in Berlin habe ich endlich für meine Mutter einen Beschluss ...

Verifizierter Mandant

Ich möchte mich bei Frau Patrizia Klein für die rasche Antwort bedanken.

Giuseppe Ravi Pinto, Schweiz