Tierhalterhaftung eines Ponyhofbetreibers bei Sturz eines reiterfahrenen 12jährigen Mädchens

Pferderecht

Den Betreibers eines Ponyhofs trifft kein Verschulden, wenn ein reiterfahrenes 12jähriges Mädchen in einer Reitgruppe von Kindern auf einem gutmütigen Pferd reitet und dabei aus ungeklärter Ursache stürzt und sich verletzt.

Es lag nicht schon in der Auswahl des Pferdes "Lancer" ein Verschulden des Betreibers. Zwar mag auch ein Pferd gutmütiger Wesensart wie "Lancer" in Ausnahmesituationen ein gefährliches Verhalten an den Tag legen. Daraus kann die Klage aber nicht mit Erfolg herleiten, der Betreiber habe sich hinsichtlich der Auswahl des Pferdes nicht entlastet. Denn abgesehen davon, dass im Zusammenhang mit dem Unfall für eine solche Ausnahmesituation nichts ersichtlich ist, dürften dann überhaupt keine Pferde auf einem Ponyhof gehalten werden.

Zum anderen kann dem Betreiber auch nicht vorgeworfen werden, er habe bei der Beaufsichtigung des Reitvorgangs nicht die erforderliche Sorgfalt beobachtet. Dass der Betreiber die damals 12-jährige Klägerin, die bereits über Reiterfahrung verfügte und auch auf dem Ponyhof des Beklagten mehrere Pferde - auch im Galopp - geritten hatte, auf einem als brav und gutmütig bekannten Pony im Rahmen einer Kinderreitgruppe in der geschehenen Weise alleine reiten ließ, ist nicht zu beanstanden. Gerade das ist typisch für die von der Klägerin gewünschten Reiterferien. Unter diesen Umständen wäre es auch einer versierten Aufsichtskraft nicht möglich gewesen, jeglichen Sturz eines Kindes von einem Pferd zu verhindern, u.a. deshalb, weil eine Aufsichtsperson sich nicht in unmittelbarer Nähe eines jeden Pferdes einer Reitergruppe aufhalten kann, und weil ein Sturz von einem Pferd vielfältige Gründe haben kann und in Sekundenschnelle geschieht.

Demzufolge sind auch die Voraussetzungen einer Haftung wegen schuldhafter Rechtsgutverletzung nach § 823 Abs. 1 BGB nicht gegeben.

So bedauerlich der Unfall mit seinen sehr schweren Folgen auch ist, so stellt er sich letztlich doch als ein Unglück dar, wie es im Leben immer geschehen kann und für das die Klägerin niemand anderen haftbar machen kann. Reitunfälle sind - wie allgemein bekannt ist - nicht selten. Immer wieder fallen Kinder von Pferden und ziehen sich Knochenbrüche oder andere Verletzungen zu. Der 13-jährigen Tochter des Vorsitzenden ist es nicht anders ergangen. Bei Teilnahme an Reiterferien auf einem Ponyhof, mit ihrem ausgedehnten engen Zusammenleben der Kinder mit den Pferden und vielen Ritten erhöht sich die nie auszuschließende Reitergefahr naturgemäß beträchtlich. Trotz dieses Risikos sind solche Ferien pädagogisch wertvoll und eine Freude für die Kinder. Im vorliegenden Fall ist es zu einem Sturz vom Pferd gekommen, wie er im Rahmen von Reiterferien immer wieder einmal geschieht, leider hier mit besonders schweren Folgen für das Kind. Eine Haftung des Betreibers des Ponyhofs käme aber nur in Betracht, wenn nicht ausgeschlossen werden könnte, dass dem Betreiber ein konkretes schuldhaftes Fehlverhalten zur Last fällt. Das war indessen hier nicht der Fall.

OLG Oldenburg, 02.09.2003 - Az: 15 U 47/03

ECLI:DE:OLGOL:2003:0902.15U47.03.0A

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