Wie hoch sind die Kosten eines Scheidungsverfahrens?

Familienrecht

Die Kosten setzen sich zusammen aus Anwaltskosten, Gerichtsgebühren und gerichtlichen Auslagen, z.B. für Zeugen und Sachverständige. Sowohl die Gebühren der Rechtsanwälte als auch die des Gerichts richten sich nach dem Streitwert oder Geschäftswert des Verfahrens bzw. der geleisteten Tätigkeit. Die Gebührenhöhe kann dann aus gesetzlich vorgegebenen Tabellen entnommen werden. Dabei steigen die Gebühren nicht proportional mit dem Streitwert sondern degressiv. Rechtsanwälte dürfen die gesetzlichen Gebühren nicht unterschreiten, können aber im Einzelfall durch Honorarverträge höhere Gebühren, z.B. nach Zeitaufwand vereinbaren. Die Vereinbarung von Erfolgshonoraren ist bei uns nur unter besonderen Voraussetzungen erlaubt.

Streitwert des - reinen - Scheidungsverfahrens: 3-faches Monatsnettoeinkommen beider Ehegatten. Berücksichtigt werden gesetzliche Abzüge vom Bruttoeinkommen, von einem Teil der Familiengerichte auch Unterhaltspflichten gegenüber Kindern (etwa mit den Sätzen der Düsseldorfer Tabelle), u.U. auch unabweisbare Schulden. Hinzu kommen Zuschläge für vorhandenes Vermögen, wobei hier die Praxis der Familiengerichte völlig uneinheitlich ist, evtl. auch (allerdings in der Praxis kaum) wegen des Umfangs und der Bedeutung der Sache.

Der Mindeststreitwert ist 2.000 €, der Höchststreitwert 1 Million €.

Zuschlag einer Folgesache über die elterliche Sorge auch bei mehreren Kindern: 20%, höchstens 3.000 €

Zuschlag einer Folgesache über das Umgangsrecht auch bei mehreren Kindern: 20%, höchstens 3.000 €

Zuschläge bei  Folgesachen über Ehegatten und/oder Kindes unterhalt: das 12 - fache des verlangten monatlichen Unterhalts zuzüglich etwaiger Rückstände.

Zuschlag einer Folgesache über Zugewinnausgleich: der verlangte Betrag.

Zuschlag einer Folgesache über nachehelich Verteilung des Hausrats: 3.000 €

Zuschlag einer Folgesache über nacheheliche Wohnungszuweisung: 4.000 €

Zuschlag für die Durchführung des Versorgungsausgleichs:  für jedes Anrecht 10 Prozent des in drei Monaten erzielten Nettoeinkommens der Ehegatten. Der Wert beträgt insgesamt mindestens 1000 €.

Beispielrechnung

Der Ehemann verdient netto 2.000 €die Ehefrau netto 1.500 € monatlich. Über das Umgangsrecht für zwei gemeinsame Kinder wird gestritten. Die Ehefrau verlangt Zugewinnausgleich von 10.000 € und Zuweisung der Mietwohnung. Im Versorgungsausgleich wird vom Rentenkonto des Mannes bei der BfA auf das der Frau eine Monatsrente von 200 € übertragen.

Streitwert:

Ehesache: 2.000 + 1.500 = 3.500. Zuschlag für Vermögen: 0.
Das Dreifache von 3.500 = 10.500 €
Zuschlag Folgesache Umgangsrecht: 3.000 €
Zuschlag Zugewinnausgleich: 10.000 €
Zuschlag Wohnungszuweisung: 4.000 €
Zuschlag Versorgungsausgleich: 1.000 €

Summe: 28.500 €

Rechtsanwaltskosten:

Eine Anwaltsgebühr aus diesem Streitwert (Gegenstandswert) beträgt nach der Gebührentabelle RGV VV: 863 €.

Der Rechtsanwalt erhält in diesem Verfahren voraussichtlich 2,5 Gebühren: 2157,50 €

Hinzu kommen 19% Mehrwertsteuer und Auslagen; Anwaltskosten jeder Partei also: 2591,23 €

Gerichtskosten:

Es fallen Gerichtskosten i.H.v. 812,00 € an.

Ist zur Vorbereitung der Entscheidung über elterlichen Sorge und/oder Umgangsrecht ein psychologisches Gutachten einzuholen (was meistens der Fall ist!), kommen gerichtliche Auslagen von mindestens 1.500 € hinzu, ebenso evtl. Zeugenkosten.

Da gem. § 150 FamFG in Scheidungsverfahren im Regelfall jede Partei ihre eigenen Anwaltskosten und die Hälfte der Gerichtskosten trägt, kommen im Beispielsfall auf jede Partei Kosten von 3.600 € zu.

Werden die Streitigkeiten der Ehepartner über Unterhalt, elterliche Sorge, Zugewinnausgleich usw. nicht im Zusammenhang mit der Scheidung als Folgesachen sondern in separaten Gerichtsverfahren ausgetragen, sind die addierten Kosten in jedem Fall erheblich höher als bei der Erledigung aller Streitpunkte "in einem Aufwasch".

Werden während des Scheidungsverfahrens einstweilige Anordnungen zur vorläufigen gerichtlichen Regelung von Folgesachen beantragt, werden diese Verfahren kostenrechtlich als eigenständige Verfahren betrachtet.

Zwar sind die Streitwerte geringer als bei einem entsprechenden "Hauptsacheverfahren"; dennoch können bei mehreren einstweiligen Anordnungen durchaus nochmals Kosten in beträchtlicher Höhe entstehen.

Die genannten Beträge gelten natürlich nur, wenn das Verfahren in einer Instanz, also vor dem Amtsgericht - Familiengericht - abgeschlossen werden kann. Die Kosten der Berufungsinstanz beim Oberlandesgericht kommen sonst noch hinzu.

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