Sonntagsarbeit in Callcentern: Beteiligung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen notwendig

Arbeitsrecht

Das OVG Bautzen hat entschieden, dass der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen ein Anspruch auf Beteiligung bei Verfahren über die Bewilligung von Sonntagsarbeit in Callcentern zusteht, da sie hierdurch im Grundrecht der Religionsfreiheit aus Art. 4 GG betroffen ist.

Der Landeskirche war durch Medienberichte bekannt geworden, dass im Freistaat Sachsen Arbeitnehmer an Sonn- und Feiertagen in Callcentern auf Grund von Ausnahmebewilligungen beschäftigt werden.

Sie bat die Landesdirektion Sachsen deshalb um Beteiligung an allen laufenden und künftigen Bewilligungsverfahren.

Die Landesdirektion Sachsen lehnte dies ab, da der Landeskirche ihrer Auffassung nach weder ein Anspruch auf Akteneinsicht noch auf Auskunft zustehe.

Die daran anschließende Klage der Landeskirche hatte Erfolg.

Das VG Dresden stellte fest, dass der Freistaat Sachsen verpflichtet sei, die Landeskirche an Verwaltungsverfahren zur Bewilligung von Sonntagsarbeit in Callcentern zu beteiligen.

Des Weiteren wurde der Freistaat Sachsen verurteilt, der Klägerin alle bereits erteilten Bewilligungen von Sonntagsarbeit in Callcentern vorzulegen, soweit die Bewilligungen noch fortwirkten.

Das OVG Bautzen hat die Entscheidung des Verwaltungsgerichts bestätigt und die Berufung des Freistaates Sachsen zurückgewiesen.

Nach Auffassung des Oberverwaltungsgerichts ist die Landeskirche in ihrem Grundrecht auf Religionsfreiheit betroffen, die durch die Sonn- und Feiertagsgarantie nach Art 140 GG i.V.m. Art 139 Weimarer Reichsverfassung (WRV) konkretisiert werde.

Nach Art. 139 WRV bleiben der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.

Der darin enthalte Schutzauftrag richte sich nicht nur an den Gesetzgeber, sondern dieser sei auch von Behörden bei der Bewilligung von Ausnahmen von der sonntäglichen Arbeitsruhe zu beachten.

§ 9 Abs. 1 Arbeitszeitgesetz (ArbZG) bestimme, dass Arbeitnehmer an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen von 0 bis 24 Uhr grundsätzlich nicht beschäftigt werden dürften.

Ausnahmen hiervon könnten u.a. im öffentlichen Interesse nach § 15 Abs. 2 ArbZG sowie aus Gründen der Konkurrenzfähigkeit eines Unternehmens nach § 13 ArbZG bewilligt werden.

Die Revision zum BVerwG wurde zugelassen.

OVG Sachsen, 11.04.2019 - Az: 3 A 505/17

Quelle: PM des OVG Sachsen

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