Lohnsteuererstattung durch das Finanzamt?

Arbeitsrecht

Die Lohnsteuer, die im allgemeinen Verfahren bei Vorlage der  Lohnsteuerkarte einbehalten wurde, kann bei einer Überzahlung nach Ablauf des Kalenderjahres vom Finanzamt erstattet werden. Dazu kommt es regelmäßig bei zeitlich begrenzten Aushilfsarbeitsverhältnissen.

Beispiel:

Anja Flink war im Sommer drei Monate beschäftigt. Der Arbeitslohn betrug monatlich 1.000 Euro brutto. Ihr Arbeitgeber behielt nach der Steuerklasse I (Zahl der Kinderfreibeträge = 0, nicht kirchensteuerpflichtig) monatlich Lohnsteuer nach der allgemeinen Monatstabelle in Höhe von 23,50 Euro ein (Solidaritätszuschlag fällt noch nicht an). Bei ganzjähriger Beschäftigung würde die so einbehaltene Lohnsteuer der zutreffenden Jahreslohnsteuer entsprechen.

Wird die Tätigkeit jedoch nur drei Monate ausgeübt, ergibt sich bei nachträglicher Betrachtung eine Jahreslohnsteuer von 0 Euro. Gleichwohl muss der Arbeitgeber die Steuerabzugsbeträge zunächst an das Finanzamt abführen. Anja Flink werden die zuviel gezahlten Beträge (3 x 23,50 Euro = 70,50 Euro Lohnsteuer) nach Ablauf des Jahres bei einer Einkommensteuerveranlagung auf Antrag vom Finanzamt erstattet.

... oder wenn Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen vorliegen, die beim Lohnsteuerabzug noch nicht berücksichtigt werden konnten.

Zur Erstattung der einbehaltenen Lohnsteuer muss der Schüler bzw. Student nach Ablauf des Kalenderjahres eine Einkommensteuererklärung bei seinem Wohnsitzfinanzamt (Wohnsitz bei Antragstellung) einreichen. Der Antrag hierfür kann nur bis zum Ablauf des übernächsten Kalenderjahres gestellt werden, also z. B. für das Jahr 2003 spätestens bis zum 31.12.2005. Die notwendigen Formulare sind zusammen mit einer Anleitung zum Ausfüllen der Vordrucke bei jedem Finanzamt kostenlos erhältlich. In bestimmten Fällen (z. B. Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte) besteht eine Verpflichtung zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung, in diesen Fällen ist die Einkommensteuererklärung bis zum 31. Mai des Folgejahres, für 2003 daher bis zum 31.05.2004 abzugeben.

Das Finanzamt legt bei der Einkommensteuerveranlagung den auf der Lohnsteuerkarte eingetragenen Jahresarbeitslohn zugrunde, berücksichtigt die ggf. noch geltend gemachten Steuerermäßigungen (vgl. dazu Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen) und berechnet dann die tatsächliche Jahressteuer (Einkommensteuer). Darauf wird die vom Arbeitgeber einbehaltene und auf der Lohnsteuerkarte eingetragene Lohnsteuer angerechnet. Die zuviel gezahlte Lohnsteuer wird erstattet. Das gleiche gilt für den einbehaltenen Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer.

Bis zu folgenden Jahresarbeitslöhnen 2003 erstattet das Finanzamt die einbehaltenen Steuerabzugsbeträge (Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) in der Regel in vollem Umfang zurück: Steuerklasse I: bis 10.367 Euro Steuerklasse II: bis 13.103 Euro Steuerklasse III: bis 19.475 Euro Neben diesen Jahresarbeitslöhnen darf der Schüler oder Student keine weiteren steuerpflichtigen Einkünfte oder dem Progressionsvorbehalt unterliegende Einnahmen haben. Die Beträge zur Steuerklasse III (verheirateter Schüler oder Student) gehen davon aus, dass er Alleinverdiener ist und auch sein Ehegatte keine anderen steuerpflichtigen Einkünfte oder dem Progressionsvorbehalt unterliegende Einnahmen (z. B. Arbeitslosengeld, Mutterschaftsgeld) hat. Soweit beim Schüler oder Studenten Steuerermäßigungsgründe (z. B. wegen erhöhter Werbungskosten, erhöhter Sonderausgaben oder außergewöhnlicher Belastungen) zu berücksichtigen sind, können die Jahresarbeitslöhne auch höher liegen.

Letzte Aktualisierung: 13.08.2018

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