Ist "gut" Durchschnitt?

Arbeitsrecht

Im vorliegenden Fall ging es um ein Arbeitszeugnis das einer Arztpraxismitarbeiterin ausgestellt wurde. Dieses beinhaltete die Note befriedigend ("zur vollen Zufriedenheit"). Die Arbeitnehmerin war damit nicht einverstanden und verlangte eine gute Beurteilung mit dem Zusatz "stets zur vollen Zufriedenheit".

Das Gericht stellte sich auf Seiten der Arbeitnehmerin, dass der Ansicht war, das der Arbeitgeber darlegungs- und beweispflichtig dafür sei, dass die Leistungen schlechter als "gut" waren. Denn eine gute Zeugnisbewertung ist heutzutage nicht mehr überdurchschnittlich (so dass die Beweislast beim Arbeitnehmer liegen würde), sondern lediglich durchschnittlich. Dies bedeutet auch, dass der Arbeitgeber in der Beweispflicht für die unterdurchschnittliche Leistung ist. Das Gericht begründete diese Ansicht damit, dass 86 % aller Zeugnisse eine gute Beurteilung haben. Damit ist die Note "gut" Durchschnitt. Diese Auffassung widerspricht der Rechtsprechung des BAG, nach der eine befriedigende Bewertung Durchschnitt ist.

Hinweis: Der Arbeitgeber hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.

ArbG Berlin, 26.10.2012 - Az: 28 Ca 18230/11

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