Münster. (SMS) Als vor
einigen Jahren die Immobilienpreise in Tokio in Schwindel erregende Höhen
geklettert waren, hieß es, der Bodenwert der japanischen Hauptstadt
entspräche dem der gesamten Bundesrepublik.
Demzufolge könnte man
sich für den Gegenwert von Münsters Grund und Boden wohl nicht
einmal einen halben Straßenzug in Tokio leisten. Dabei beträgt
der Bodenwert ohne Gebäude für die insgesamt 303 münsterschen
Quadratkilometer stolze 10 Milliarden Euro. So hat es Karl Wendland errechnet,
der beim städtischen Vermessungs- und Katasteramt den Gutachterausschuss
betreut.
Als Grundlagen für diese Wertermittlung hat sich Karl Wendland zum einen auf die Bodenrichtwerte gestützt, die der Gutachterausschuss jährlich neu ermittelt und beschließt. 330 verschiedene Werte sind es zurzeit, die bebautes oder baureifes Land verschiedenster Nutzung vom innerstädtischen Grundstück an der Promenade bis zum Bauland in Wolbeck, vom Geschäftsgrundstück bis zur gewerblichen Fläche, beschreiben und klassifizieren. Denn nur für diese 49 Quadratkilometer des münsterschen Stadtgebiets gibt es Bodenrichtwerte.
Für landwirtschaftlich genutzten Boden existieren bislang keine Richtwerte, obwohl er in Münster, der zweitgrößten Flächenstadt in Nordrhein-Westfalen, immerhin 152 Quadratkilometer bzw. 50 Prozent des Stadtgebietes ausmacht. Darum wertet das Vermessungs- und Katasteramt übers Jahr sämtliche Kaufverträge für alle im Kataster verzeichneten Nutzungsarten aus. So ergeben sich Durchschnittswerte: Ein Quadratmeter Wald "kostet" zirka 1 Euro, ein Quadratmeter Bach die Hälfte, Ackerland 3,75 Euro, die Höfe etwas mehr. Das ist die zweite Bewertungsgrundlage.
Die Unterschiede sind je nach Lage und Nutzung enorm: Am Prinzipalmarkt weist die Bodenrichtwertkarte den Quadratmeter mit fast 10 000 Euro aus. Der Emmerbach "kostet" dem gegenüber gerade einmal 50 Cent pro Quadratmeter.
Die 16 Prozent bebauter oder
zu bebauender Fläche im Stadtgebiet machen also bereits 79 Prozent
des Gesamtwertes von Münster aus. Allein 1,2 Milliarden Euro davon
entfallen auf lediglich einen Quadratmeter Grund und Boden in der Innenstadt
innerhalb des Promenadenrings. Land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen
stellen mit einem Wert von etwa 800 Millionen Euro den zweitgrößten
Einzelposten. Straßen machen etwa 75 Millionen Euro aus. Dazu gesellt
sich bunt gemischt der Rest:
beispielsweise Bauerwartungsland,
Sportplätze, Friedhöfe, Parks, Schulen und Kindergärten.
Im Mittel "kostet" der Quadratmeter in Münster schlappe 33 Euro –
das Ackerland senkt den Schnitt.
Quelle: Pressemitteilung der Stadt Münster